Please use this identifier to cite or link to this item: http://doi.org/10.25358/openscience-4681
Authors: Probst, Mathias
Title: Das Paläolithikum der Magdalenahöhle bei Gerolstein
Online publication date: 17-Sep-2012
Language: german
Abstract: Die vorliegende Arbeit hat das von 1969 – 1972 ergrabene Inventar der Magdalenahöhle bei Gerolstein unter kritischer Berücksichtigung der Originaldokumentation sowie der stratigraphischen und sedimentologischen Beschreibungen erneut untersucht und v.a. hinsichtlich zweier Arbeitshypothesen überprüft. Daneben fanden jedoch auch die Schmuckobjekte und in kursorischer Weise die Tierknochen Betrachtung. Die Elfenbeinobjekte setzen sich aus elf Fragmenten zusammen, die bereits in zerbrochenem Zustand in die Höhle gelangt sein müssen. Sie sind mit mehreren Linienbündeln verziert, die teilweise aus v- oder zickzack-förmigen Motiven bestehen. Auch gestanzte Punktreihen treten auf. In ihrer Größe und Form sind die Elfenbeinobjekte einzigartig. Lediglich aus der Csákvár-Höhle in Ungarn gibt es vergleichbare Stücke, deren genaue Altersstellung jedoch unklar ist. Daneben kommen in der Magdalenahöhle zwei vollständige durchlochte Hirschgrandeln sowie die Fragmente einer durchlochten Grandel sowie eines durchlochten Wolfzahns vor. Diese tragen teilweise Spuren einer Aufhängung bzw. Befestigung. Der Grund für ihre Niederlegung vor Ort ist indes nicht endgültig zu klären. Die überlieferten Tierknochen besitzen verschiedene Grade von Verfärbung und Erhaltung, lassen sich dadurch jedoch nicht verschiedenen Schichten zuordnen. Neben Modifikationen von Carnivoren, darunter v.a. durch Verdauungsprozesse, sind auch an einigen Exemplaren Schnittspuren festgestellt worden. Eine Bärenphalange aus der Fundschicht b1 eröffnet so die Perspektive, die menschliche Belegung erneut mit der Radiokohlenstoffmethode direkt zu datieren. Der Untere paläolithische Fundhorizont besteht aus relativ unspezifischen Quarzartefakten, die von einer opportunistischen Abschlags- und Werkzeugsgewinnung aus lokalen Schottern zeugen. Für den Oberen paläolithischen Fundhorizont zeigt die Steinartefaktanalyse, dass die Abschläge als Herstellungsreste dünner bifazieller Geräte angesprochen werden können. Während dieser Befund alleine auch im Zusammenhang mit den spätmittelpaläolithischen Blattspitzengruppen gesehen werden kann, sprechen die bereits erwähnten vergesellschafteten Schmuckobjekte, der Nachweis eines Klingenabbaus sowie die fast ausschließliche Verwendung exogenen Rohmaterials für einen jungpaläolithischen Kontext, d.h. für eine Affinität zum Solutréen. Die Steinartefakte der Magdalenahöhle zeugen gleichzeitig von einer sehr mobilen Lebensweise, da lediglich eine Phase des Herstellungsprozesses des bifaziellen Geräts vor Ort stattgefunden hat. Gleichzeitig wurden früher an anderem Ort gewonnene Abschläge mitgebracht und als Werkzeug verwendet. Ebenso wie der Kern selbst wurden Abschläge auch wieder abtransportiert. Insgesamt kann daher eine Rohmaterial konservierende Strategie rekonstruiert werden, in der neben dem Kern als Gerät selbst auch die Abschläge Verwendung finden. Da die Magdalenahöhle als östlicher Niederschlag des Solutréen und als Beleg für das maximale Verbreitungsgebiet dieses Technokomplexes gewertet werden muss, reiht sie sich in eine Reihe von Fundstellen und Argumenten ein, wonach das zentrale Mitteleuropa während des LGM s.l. nicht menschenleer war, sondern in sporadischen Exkursionen begangen wurde. Obwohl sich daran noch keine dauerhafte Wiederbesiedlung anschloss, muss vom Bild einer absoluten Siedlungsleere Abstand genommen werden. Weitere Fundstellen und absolutchronologische Datierungen, u.a. der Magdalenahöhle, könnten in Zukunft zu einem noch besseren Verständnis der menschlichen Anpassungsstragien an kaltzeitliche Umwelten beitragen.
The Magdalenahöhle (Magdalena-Cave) near Gerolstein in the Eifel Uplands of Western Germany was excavated between 1969 and 1972. While first studies focused on the unique ivory artifacts, assessments of the lithic assemblage provided only tentative conclusions about their Upper Paleolithic character. A new study based on a thorough evaluation of sedimentological and stratigraphical evidence shows the existence of two distinct archaeological horizons. While the lower horizon consists of artifacts made from local quartz only, the upper horizon is almost exclusively characterized by exogenous raw-material. The latter artifacts include remains of blade production and are associated with perforated teeth and fragments of ivory bracelets. Most importantly it is shown that the vast majority of the upper lithic assemblage consists of typical flakes of bifacial retouch. Since bifacial thinning of thin cores in the Upper Paleolithic is only known from the Solutrean, it is argued that the Magdalenahöhle represents an Eastern excursion of people belonging to this cultural entity. Over the last years an increasing number of studies has produced evidence that refutes the supposed settlement hiatus during the Last Glacial Maximum sensu lato (LGM s.l. ), thereby documenting human presence and communication over Central Europe before the permanent recolonisation during the Magdalenian. The Magdalenahöhle adds to this evidence, extending the maximum distribution of the Solutrean significantly to the East. Most flakes were produced during a reduction phase between cortex-removal and roughing-out on the one side and final shaping on the other. The cores itself are missing and have been carried away. The occupation therefore represents a short stay during which only a well-defined stage of leaf point production took place. In addition to retouched flakes from this stage few others, probably imported flakes from earlier stages have been retouched as well and discarded on site. This evidence therefore shows the combined use of bifacial cores as – most likely – leaf points for hunting purposes and of flakes detached from those cores as retouched tools. The study’s results not only contribute to the discussion of LGM s.l. settlement in Central Europe, but also provide insights into Upper Paleolithic land-use patterns.
DDC: 930 Alte Geschichte
930 History of ancient world
Institution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Department: FB 07 Geschichts- u. Kulturwissensch.
Place: Mainz
DOI: http://doi.org/10.25358/openscience-4681
Version: Original work
Publication type: Masterarbeit
License: in Copyright
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