The wine city of Mainz
Loading...
Date issued
Authors
Editors
Journal Title
Journal ISSN
Volume Title
Publisher
Reuse License
Description of rights: InC-1.0
Abstract
Der Beitrag untersucht Mainz als historisch gewachsene Weinstadt und zeichnet die Entwicklung von Weinbau, Weinhandel und Weinkultur von der römischen Antike bis in die Gegenwart nach. Während ein gesicherter Nachweis für römischen Weinbau im Mainzer Raum bislang fehlt, lassen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Militärstandorts Mogontiacum sowie archäologische Zeugnisse eine frühe Rebenkultur plausibel erscheinen. Schriftlich belegt ist der Weinbau in Mainz und Rheinhessen seit dem 8. Jahrhundert; spätestens in karolingischer Zeit entwickelte sich Mainz zu einem Zentrum der Weinproduktion und des überregionalen Rheinhandels.
Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit prägten die verkehrsgeografische Lage am Rhein, die Aktivitäten friesischer Fernhändler, jüdischer Kaufleute sowie geistlicher Institutionen die Stellung der Stadt als bedeutender Umschlagplatz. Wein avancierte zur „Königsware“ des Rheinhandels und wurde insbesondere in die Niederlande, nach England und in den hansischen Raum exportiert. Zugleich unterlagen Produktion, Lagerung, Qualität und Vertrieb einer intensiven kommunalen und landesherrlichen Kontrolle. Die Besteuerung von Weinkonsum und Weinhandel bildete im 15. Jahrhundert eine zentrale Grundlage der städtischen Finanzen. Mit der Regulierung der Weinbehandlung auf dem Reichstag von 1498, insbesondere der begrenzten Zulassung der Schwefelung, verbesserten sich die Lager- und Vermarktungsmöglichkeiten und veränderten sich langfristig die Konsum- und Handelsgewohnheiten.
Kriege, klimatische Einflüsse der Kleinen Eiszeit, politische Umbrüche und die Säkularisation führten wiederholt zu Einbußen und Besitzverschiebungen. Seit dem 18. Jahrhundert setzte jedoch eine erneute Dynamisierung ein, die Mainz im 19. Jahrhundert zu einem internationalen Zentrum des Wein- und Sekthandels werden ließ. Neue Absatzformen wie Flaschenwein, Weinversteigerungen und farbige Etiketten sowie die zunehmende Erschließung außereuropäischer Märkte förderten diese Entwicklung. Der Erste Weltkrieg, die nationalsozialistische Verfolgung jüdischer Weinhändler und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs beendeten die herausragende Stellung der Stadt weitgehend. Trotz des starken Rückgangs der innerstädtischen Rebflächen bleibt Wein bis heute ein prägendes Element der Mainzer Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte. Die gegenwärtige Zugehörigkeit von Mainz und Rheinhessen zum Netzwerk der „Great Wine Capitals“ knüpft damit an eine über Jahrhunderte gewachsene Verbindung von Weinbau, Handel, städtischer Identität und regionaler Kulturlandschaft an.
Description
Keywords
Citation
Published in
Mainz and wine : history of a close relationship, Brüchert, Hedwig, Stadthistorisches Museum Mainz, Mainz, 2019