Cultural Brokerage in Native American Arts. Kulturelle Vermittlungen am Beispiel von Oscar B. Jacobson
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Begegnungen zwischen Menschen unterliegen unterschiedlichen Aushandlungsprozessen und Konventionen. Einheitliche, globale Verhaltensregeln existieren in diesem Kontext nicht. In Anbetracht der sich kontinuierlich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnisse, globaler Kommunikationsnetzwerke und weltweiter Mobilitätsströme kommt dem Prozess der kulturellen Vermittlung eine entscheidende Bedeutung zu. Dieser ermöglicht Dialoge und Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Begebenheiten und Hintergründe. Kulturelle Begegnungen und deren Repräsentationen sind demnach keine Prozesse, die von selbst geschehen. Vielmehr werden und wurden diese Beziehungen und Begegnungen aktiv gestaltet und vermittelt.
Vor diesem Hintergrund thematisiert die vorliegende, auf empirischer Grundlage begründete Dissertation kulturelle Vermittlungen in Native American Arts am Beispiel des Cultural Brokers Oscar B. Jacobson und der Künstler:innengruppe Kiowa Six sowie des Künstlers Acee Blue Eagle. Gegenstand der Untersuchung ist die Gestaltung kultureller Vermittlungsprozesse, die Elemente und Dimensionen, die sie umfassen, sowie die Rolle der Kunst als Medium kultureller Vermittlungen. Darüber hinaus wird erörtert, inwiefern kulturelle Vermittlungsprozesse gesellschaftliche Transformationen unterstützen können.
Die empirisch fundierte Studie zeigt, dass Cultural Brokerage als theoretisches Konzept kulturelle Vermittlungsprozesse zwischen verschiedenen soziokulturellen Lebenswelten und Wirklichkeiten abbildet. Um die Prozesse analytisch fassbar zu machen, wurde auf Grundlage bestehender Brokerage-Konzepte ein eigenes theoretisches Konzept erarbeitet. Dieses systematisiert das Phänomen kultureller Vermittlung entlang dreier miteinander verschränkter Dimensionen: (1) der Dimension Akteure, (2) der Dimension Orte und Räume sowie (3) der Dimension des Mediums der Vermittlung. Der so entwickelte Analyserahmen erlaubt es, die vielschichtigen kulturellen Vermittlungsprozesse strukturiert zu erfassen und empirisch zu untersuchen.
Dabei zeigt die Analyse dieser drei Dimensionen folgendes Bild. Die Prozesse beruhen auf den Interaktionen und Begegnungen der verschiedenen Akteure, allen voran dem Cultural Broker Oscar Brousse Jacobson mit seinem Kompetenzset, seinen Strategien und Methoden sowie den Künstler:innen und einer politisch-institutionellen Komponente. An den vielfältigen Orten und Räumen kultureller Begegnungen werden kulturelle Differenzen verhandelt. Die daraus resultierenden Begegnungen, sogenannte meaningful encounter, fördern einen wertschätzenden Umgang und Kontakt zwischen verschiedenen soziokulturellen Lebenswelten – hier der Weißen amerikanischen Gesellschaft und den Kiowa. Die Kunst als Medium der Vermittlung kann dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein zu erreichen. Das empirische Fallbeispiel zeigt, dass Kunstwerke, Bücher, Zeitungsartikel und TV-Sendungen das Potential besitzen, als Medium Zugang zur Wahrnehmung von Welt zu sein und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.
Insgesamt stellt das Konzept Cultural Brokerage einen bedeutenden Erklärungsansatz für gesellschaftlichen Wandel und verbundenen Transformationen dar. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um einen Baustein in der Gesamtbetrachtung von Gesellschaften und ihren kulturellen Ausprägungen handelt.
