Untersuchung klinischer Zeichen, laborchemischer Werte und Scores zur präoperativen Differenzierung zwischen einer unkomplizierten und einer komplizierten Appendizitis

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6.1.1 Einleitung Die präoperative Unterscheidung zwischen unkomplizierter und komplizierter Appendizitis ist klinisch bedeutsam, da konservative Therapiekonzepte zunehmend diskutiert werden. Bisher fehlen jedoch verlässliche Parameter zur sicheren Differenzierung (1). 6.1.2 Methoden In einer multizentrischen, retrospektiven Kohortenstudie wurden 1.909 operierte Patienten mit akuter Appendizitis aus 41 deutschen Kliniken während der Covid-19 Pandemie analysiert. Negative Appendektomien wurden deskriptiv ausgewertet. Der Fokus lag auf klinischen Zeichen, Laborwerten und etablierte Scores. Die statistische Analyse umfasste univariate Tests, ROC-Analysen und multivariable logistische Regression. 6.1.3 Ergebnisse Von den eingeschlossenen Patienten hatten 33,2 % eine unkomplizierte und 61,1 % eine komplizierte Appendizitis. Komplizierte Verläufe wurden häufiger bei Männern, älteren sowie multimorbiden Patienten beobachtet. Klassische klinische Zeichen wie das Blumberg-, Lanz- oder McBurney-Zeichen waren bei komplizierter Appendizitis zwar häufiger positiv, erreichten jedoch nur geringe Diskriminationswerte (AUC 0,53–0,60). Der Modified Alvarado Score lag bei komplizierten Verläufen höher (OR 1,35 pro Punkt) und wies eine AUC von 0,67 auf. Die Leukozytenzahl (OR 1,12; AUC 0,66) und das CRP (OR 1,004; AUC 0,68) zeigten ebenfalls signifikant höhere Werte bei komplizierten Fällen, allerdings mit begrenzter Trennschärfe. Procalcitonin erreichte in der Subgruppe eine AUC von 0,74, konnte aufgrund der geringen Fallzahl (n = 77) jedoch nicht weiter abgesichert werden. In der multivariablen Analyse bestätigten sich Geschlecht, Alter, Leukozytenzahl und der Modified Alvarado Score als unabhängige Prädiktoren; die erklärte Varianz des Modells blieb jedoch insgesamt gering. 6.1.4 Schlussfolgerung Weder klinische Zeichen noch Laborwerte oder etablierte Scores ermöglichen eine zuverlässige präoperative Differenzierung zwischen unkomplizierter und komplizierter Appendizitis. Damit sind sie für therapeutische Entscheidungen allein nicht ausreichend. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit integrativer diagnostischer Ansätze, die Bildgebung und klinische Befunde zu kombinieren.

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