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Authors: Friederich, Lisa
Title: Sprachliche Komplexität zwischen kognitiven Veränderungen, Individualität und Prädiktion
Online publishing date: 18-Jul-2019
Language : german
Abstract: Die vorliegende Dissertation gliedert sich in drei Hauptteile. Im Theorieteil werden aus vier Perspektiven Ansätze und Definitionen zum Konzept der (sprachlichen) Komplexität behandelt bzw. abgegrenzt. Folgende Aspekte können dazu hervorgehoben werden: Über die Sprachwissenschaft hinausgehende Ansätze nähern sich der Thematik ursprünglich auf Basis von informationstheoretischen Überlegungen, allerdings ist nach einer Arbeit von Simon (1962) vor allem ein hierarchischer Aufbau als charakterisierende und natürliche Eigenschaft komplexer Systeme festzuhalten. Typologische Arbeiten zur Thematik diskutieren hingegen die Möglichkeiten eines Vergleichs von Sprachen hinsichtlich ihrer Komplexität. Die wichtige Frage nach der Relevanz des Konzepts kann aus psycholinguistischer Perspektive durch die Herleitung von Komplexitätsunterschieden zwischen Sätzen aus Daten und Modellen zur Sprachverarbeitung umgangen werden. Zudem etablierte die Satzverarbeitungsforschung einige Maße mittels derer diese Unterschiede quantifizierbar werden, um u. a. ihre Relation zu kognitiven Veränderungen zu untersuchen. Bezüglich der Komplexitätsverarbeitung aus einer neurokognitiven Perspektive erscheinen Erkenntnisse zum Einfluss individueller Unterschiede auf neuronaler Ebene interessant. Das neurokognitive Modell von z. B. Bornkessel-Schlesewsky und Schlesewsky (2013) legt nahe, dass der Komplexitätsverarbeitung eine hierarchische Organisation der Verarbeitungspfade des Gehirns zugrunde liegt. Der Empirieteil I stellt die KMG - Studie vor, deren Hauptfragestellung war, ob mentale Veränderungen bzw. der Erfolg einer psychotherapeutischen Schreibintervention aus dem Ausgangsniveau der sprachlichen Komplexität oder longitudinalen Komplexitätsverläufen der Patienten vorhersagbar ist. Dazu wurden Blogs von 70 Patienten des dreimonatigen „GSA - Online“ - Programms auf ihre syntaktische Komplexität und Ideendichte (ID) hin analysiert. Die Komplexitätsveränderungen stellten sich als uninformativ heraus, eventuell begründet u. a. durch die geringe psychische Belastung der Patienten. Auf individueller Ebene wurde jedoch deutlich, dass in Abhängigkeit von der Grunderkrankung der Patienten ein erhöhter Ausgangswert in der syntaktischen oder semantischen Komplexität tendenziell eine Verbesserung in bestimmten psychologischen Zielgrößen nach sich zog. Der Empirieteil II knüpft an diese Beobachtung eines prädiktiven Potenzials des individuellen Ausgangsniveaus an. Die Alpha - Studie beleuchtet die individuelle Alphafrequenz (IAF) als möglicher individueller Einflussfaktor auf neurobiologischer Ebene zur Produktion sprachlicher Komplexität. Dazu wurde die Relation zwischen der IAF (abgeleitet aus Ruhe - EEGs) und der Komplexität einer anschließenden Erzählung von 70 gesunden, deutschen oder englischen Muttersprachlern im Vergleich untersucht. Die Ergebnisse deuten auf eine Unabhängigkeit der Mean Length of Utterance (MLU) und ID von der IAF in beiden Sprachen hin. Trotz eines erwartbaren Unterschieds zwischen den germanischen Sprachen in ersterem Maß zeigte sich kein Effekt für Sprache und die MLU stellte sich als schwer zu modellierendes Maß heraus. Im Gegensatz dazu konnte für die ID ein sehr guter Modellfit und nur vor dem Hintergrund einer Standardisierung der IAF ein Effekt für Sprache abgeleitet werden. Die Grundidee der Alpha - Studie bedarf deshalb weiterer Erforschung.
DDC: 400 Sprache
400 Language
Institution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Department: FB 05 Philosophie und Philologie
Place: Mainz
DOI: http://doi.org/10.25358/openscience-957
Version: Original work
Publication type: Dissertation
License: in Copyright
Information on rights of use: https://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/
Extent: xix, 403 Seiten
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