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Authors: Tittel, Thomas
Title: Veränderungen der Serumkonzentration des Interleukin-10 infolge Stressinduktion mittels des Trier Social Stress Test bei Menschen mit Panikstörung
Online publication date: 16-Dec-2020
Language: german
Abstract: Eine Panikstörung beeinträchtigt die Patienten in ihrem Alltag durch wiederkehrende und unerwartete Panikattacken ohne objektive Gefahr. Langfristig geht sie mit einem erhöhten Risiko für zum Beispiel kardiovaskuläre oder autoimmune Erkrankungen einher und verursacht eine erhebliche wirtschaftliche Belastung des Gesundheitssystems. Ein präziser pathophysiologischer Mechanismus konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden. Es wird von einer Hyporeaktivität der HPA-Achse in Zusammenhang mit einem geringgradigen, chronischen Entzündungsprozess ausgegangen. Ziel der Arbeit war die Untersuchung der stressinduzierten Reaktivität des antiinflammatorischen Zytokins Interleukin-10 sowie des Stresshormons Cortisol, der Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität und des subjektiven Stressempfindens bei Patienten mit Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie. Damit sollten Hinweise auf einen möglichen Pathomechanismus der Panikstörung aufgedeckt und darauf aufbauend Wege für neue diagnostische und therapeutische Maßnahmen bereitet werden. Zur Umsetzung des Projekts wurden 32 Patienten mit Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie und 32 gesunde Kontrollprobanden dem Trier Social Stress Test (TSST) zur standardisierten Induktion moderaten psychosozialen Stresses unterzogen. Zu definierten Zeitpunkten erfolgten jeweils zehn Blutentnahmen aus einem liegenden Venenverweilkatheter. Aus den Blutproben wurden die Reaktionsprofile der Serumkonzentrationen des Stresshormons Cortisol und des High-sensitive-Interleukin-10 im zeitlichen Verlauf des TSST gemessen. Parallel erfolgte eine kontinuierliche Ableitung der Herzfrequenz zur anschließenden Bestimmung wichtiger Parameter der Herzfrequenzvariabilität. Außerdem wurden die Studienteilnehmer gebeten, ein Fragebogenset zum subjektiven Stresserleben im Rahmen der Teilnahme am TSST sowie zu aktuellen psychischen Symptomen auszufüllen. Die vorliegende Forschungsarbeit untersuchte erstmals den zeitlichen Verlauf des Interleukin-10 infolge der Stressinduktion mittels des TSST bei Patienten mit Panikstörung. Hierbei zeigten diese bereits statistisch signifikant höhere Baselinewerte als in der Kontrollgruppe. Im Zeitverlauf konnte unter Berücksichtigung der Baselinewerte als Kovariabler bei den Patienten mit Panikstörung ein Anstieg der Interleukin-10-Konzentrationen über etwa 30 Minuten mit anschließendem langsamen Abfall, bei den Kontrollprobanden ein spiegelbildlicher Verlauf mit Abfall der Interleukin-10-Konzentrationen über etwa 20 Minuten und anschließendem langsamen Anstieg nachgewiesen werden. Hierfür wurden die Haupteffekte der Zeit und Gruppe sowie der Interaktionseffekt statistisch signifikant. Die Teilnahme am TSST führte sowohl in der Patienten- als auch der Kontrollgruppe zu einer subjektiven Stressbelastung und objektivierbaren Stressreaktion. Ausgehend von nicht signifikant unterschiedlichen Baselinewerten für das Stresshormon Cortisol zeigten beide Stichproben einen zeitlich begrenzten Anstieg des Serumcortisols infolge der Teilnahme am TSST mit signifikanten Haupteffekten der Zeit, Gruppe und Interaktionseffekt als Zeichen einer erfolgreichen Stressinduktion. Kongruent zur aktuellen Literatur war die Cortisolantwort bei den Patienten mit Panikstörung dabei von geringerem Ausmaß im Sinne einer Hyporeaktivität der HPA-Achse. Bei der Ableitung der Herzfrequenz im zeitlichen Zusammenhang mit der Stressinduktion fielen die Teilnehmer der Patientengruppe durch eine signifikant höhere mittlere Ruheherzfrequenz auf. Alle Probanden zeigten einen zeitlich begrenzten, statistisch signifikanten Anstieg der Herzfrequenz während des TSST als Zeichen einer erfolgreichen stressbedingten Sympathicusaktivierung. In der Patientenstichprobe konnten niedrigere Messwerte für die Parameter der Herzfrequenzvariabilität LF/HF Ratio, RMSSD, pNN50 und SDNN abgeleitet werden. Diese blieben jedoch statistisch nicht signifikant. Die Ergebnisse der Studie stehen im Konsens zum aktuellen Forschungsstand und erweitert diesen um Erkenntnisse über die stressbedingte Reaktivität des Interleukin-10 bei Menschen mit Panikstörung. Zwar lässt sich aus den Ergebnissen noch kein präziser Pathomechanismus für die Panikstörung ableiten, doch konnten wertvolle Ansatzpunkte für künftige Forschungsarbeiten aufgezeigt werden.
DDC: 610 Medizin
610 Medical sciences
Institution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Department: FB 04 Medizin
Place: Mainz
DOI: http://doi.org/10.25358/openscience-5306
Version: Original work
Publication type: Dissertation
License: CC-BY-NC-ND
Information on rights of use: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
Extent: IX, 185 Seiten
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