Please use this identifier to cite or link to this item: http://doi.org/10.25358/openscience-3735
Authors: Linz, Sandra Marlene
Title: Gemacht oder gedacht? Inszenierung und Rezeption des Titels Welterbe im Oberen Mittelrheintal
Online publication date: 11-Aug-2019
Language: german
Abstract: In die lange Liste der seit 1978 von der UNESCO aufgenommenen Welterbestätten reiht sich seit 2002 die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal ein. Aufbauend auf der Rekonstruktion der Welterbewerdung, sind die zentralen Fragen der Studie, welche Rolle die Konstituierung des Welterbes und der Umgang mit diesem für die Regionalentwicklung spielt und wie die im Oberen Mittelrheintal lebenden Menschen mit der „Heritage-ifizierung“ umgehen bzw. wie sich diese auf ihre Lebenswelt auswirkt. Anhand des von 2009 bis 2013 mit ethnografisch-qualitativen Methoden erhobenen Materials werden Antworten auf diese und weitere Fragen gegeben. So wird dargestellt, wie das auf politischer Ebene mit der Auszeichnung verfolgte Ziel, eine strukturschwache und disparate Region mit einem neuen, gemeinschaftsfördernden Image auszustatten, realisiert wurde. Der Welterbetitel wirkt als neue Ummantelung des Tals. So nutzen die politisch Verantwortlichen die Markeneffekte für eine Neupositionierung der Region und definieren sie über die symbolische Auszeichnung. Von verschiedensten Akteuren – von touristischem Marketing bis hin zu ehrenamtlichen Initiativen – wird der Titel zudem als symbolische Ressource genutzt, um das Tal und individuelle Handlungen aufzuwerten. So greifen z. B. Gastgeber die Auszeichnung auf, um sich sowohl im touristischen Angebot als auch in der prämierten Kulturlandschaft zu verorten, oder lokale Bürgerinitiativen verwenden den Titel, um ihre jeweiligen Ziele im Spannungsfeld zwischen Erhaltung und Veränderung der Kulturlandschaft zu untermauern. Aufbauend auf der Darstellung unterschiedlichster Kontextualisierungen des Titels, wird gezeigt, dass lokale Nutzungsweisen dabei nicht nur bei der Verfolgung subjektiver – insbesondere ökonomischer – Intentionen helfen, sondern auch der Formierung, Betonung und Sichtbarmachung der Region als Welterbe dienen. Auf diesem Weg soll die Erbebenennung und -gestaltung das Regionalbewusstsein fördern und ein Zugehörigkeitsgefühl stiften. Während lokale Entscheidungsträger die intendierte Entwicklung der Region betonen und positiv von den Auswirkungen der Welterbewerdung berichten, zeigt die Auswertung der Gespräche mit der Bevölkerung, dass bei der Mehrheit der befragten Bevölkerung das Welterbe im Verhältnis zu anderen Merkmalen einen weit weniger gewichtigen Anteil an der Regionskonstruktion einnimmt. Wenn auch der Welterbestatus im Oberen Mittelrheintal die Menschen auf vielfältige Weise verbindet und sich im Kontext bestimmter Aktivitäten zu einem kollektiv gesellschaftlichen Identifikator herauskristallisierte, ist er kein zentrales Element der regionalen Identitätsbildung geworden.
Since 2002, the cultural landscape of the Upper Middle Rhine Valley has been included in the long list of World Heritage sites listed by UNESCO since 1978. Based on the deconstruction of the “Heritage-ification” in the area, the central questions of this thesis are what role the constitution and management of World Heritage plays for regional development, how people living in the Upper Middle Rhine Valley deal with the Heritage-ification and how it affects their living environment. The data collected from 2009 to 2013 using ethnographic-qualitative methods provides answers to these and other questions posed. This thesis presents how the goal of equipping a structurally weak and disparate region with a new, cooperative image was achieved subsequent to recognition. The World Heritage title acts as a new frame of reference for the valley. The responsible persons on a political level use branding effects for a repositioning of the region and define it via the symbolic honour. Furthermore, a wide range of stakeholders uses the title as a symbolic resource to enhance the valley and individual actions - from tourist marketing to volunteer initiatives. For example, hosts use the title to help position themselves both in the tourist offer and in the award-winning landscape, and civic groups use it to underpin their goals against the backdrop of tension between preservation and change of the cultural landscape. Based on the presentation of the diverse contextualization of the title, it is shown that local forms of use not only help to pursue subjective - especially economic - ambitions, but also to form, emphasize and visualize the region as a World Heritage site. In this way, the naming and design of the heritage should promote regional awareness and create a sense of belonging. While local decision-makers emphasise the intended development of the region and report positive effects of the Heritage-ification, the evaluation of interviews with the population shows that for the majority of the population surveyed, World Heritage plays a far less important role in the construction of the region than other factors. If the World Heritage status of the Upper Middle Rhine Valley also connects people in different ways and, in the context of certain activities, has become a collective social identifier, it has not become a key element of regional identity formation.
DDC: 300 Sozialwissenschaften
300 Social sciences
Institution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Department: FB 05 Philosophie und Philologie
Place: Mainz
DOI: http://doi.org/10.25358/openscience-3735
Version: Original work
Publication type: Dissertation
License: in Copyright
Information on rights of use: https://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/
Extent: 406 Blätter
Appears in collections:JGU-Publikationen

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