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Authors: Holst, Ulrike
Title: Strukturen des menschlichen Miteinander - auf dem Weg zum Anderen : dialogische Ansätze vor dem Hintergrund von Robert Musils Roman ´Der Mann ohne Eigenschaften´
Online publication date: 23-Apr-2013
Language : german
Abstract: Diese Ausarbeitung zeigt Strukturen des menschlichen Miteinander im Rahmen einer systematisch-komparatistischen Annäherung ´auf dem Weg zum Anderen´ vor dem Hintergrund von Musils Roman ´Der Mann ohne Eigenschaften´ auf; sie verweist auf die Gefahren des zunehmend selbstzentrierten Identitätsdenkens, indem sie mit Blick auf den Anfang des 20. Jahrhunderts eine Auswahl philosophischer Denker aus dieser Zeit auf Grundlage einer poetischen Orientierung in ein Gespräch geführt, das damals in Wirklichkeit leider nicht stattgefunden hat: Ulrich, der Protagonist des Romans, übernimmt in dieser Ausarbeitung neben der poetisch-orientierenden Funktion die Rolle des Begleiters; er leitet den Leser durch die Arbeit und verbindet ´auf dem Weg zum Anderen´ philosophische Richtungen mit Musils Roman. Mit der Metapher vom ´Konflikt der beiden Bäume´, den Ulrich in sich bemerkt, beginnt der ´Weg zum Anderen´: Unter beiden Bäumen wird menschlichem Miteinander nachgespürt,indem phänomenologische Ansätze dargestellt, analysiert und komparatistisch betrachtet werden. Der ´Baum des harten Gewirrs´ steht für distanziertes Erkennen; Husserls Intentionalität und Intersubjektivität führen in ein ´Konzert einsamer Monaden´. Der ´Baum der Schatten und Träume´ - repräsentiert durch Klages - steht für verschmelzend mystisch-pathisches Erleben, das Menschen ebenfalls isoliert. Eine Verbindung der beiden Bäume erfolgt in der ´Begegnung zwischen den Bäumen´ im menschlichen Miteinander von Ulrich und seiner Schwester Agathe; hier gedeiht – um im Bild zu bleiben – der ´Baum des Lebens´ auf dem Boden der ´Notwendigkeit des Du für das Ich´. Dieser Baum wird vorgestellt hinsichtlich seiner Verwurzelung: Ansätze Feuerbachs, Diltheys und Plessners verweisen auf Gemeinschaftlichkeit, Geschichtlichkeit und Exzentrizität des Menschen. Daran schließt sich die Analyse der Struktur des Baumes an: Hier verweist Löwiths Ansatz auf die im Menschen angelegte ontologisch-konstitutionelle Zweideutigkeit. In der Krone des ´Lebensbaumes´ suchen die Dialogiker Buber, Rosenzweig und Rosenstock-Huessy nach Gleichursprünglichkeit in der ´Sphäre des Zwischen´ und beschreiten den Weg von der Menschwerdung in der ´Sphäre des Zwischen´ zu einer gelebten voraussetzungsvollen Mitmenschlichkeit im Horizont gesprochener Sprache. Komparatistische Betrachtungen offenbaren divergierende Tendenzen, die im Resümee verdichtet aufgezeigt werden: Unter philosophisch-inhaltlichem Aspekt wird dargestellt, warum Menschen ´unter beiden Bäumen´ in einsamer Beschränktheit und Endlichkeit verharren, während sie in ´Begegnung zwischen den Bäumen´ - im menschlichen Miteinander - Freiheit und Unendlichkeit erlangen: ´Haltung versus Eingebundenheit´ entscheidet über isoliertes oder gelingendes Leben. Unter philosophisch-kulturwissenschaftlichem Aspekt werden Spuren in Musils Roman ´Der Mann ohne Eigenschaften´ aufgedeckt, die vermuten lassen, Musil habe über seinen Roman Dialogisches Denken ´inkognito´ vermitteln wollen; die darin erweckte Sehnsucht nach menschlichem Miteinander gilt es, im Leben zu verantworten – zwischen Menschen, konkret und immer wieder...
This elaboration shows structures of human co-operation within the context of a systematic-comparative approach ´on the way to the other´ against the background of Musil´s novel ´The Man without Qualities´(Der Mann ohne Eigenschaften); it refers to the dangers of increasingly self-related identity thinking, by leading, with a look at the beginning of the twentieth century, to a selection of philosophical thinkers of this period on the basis of their poetic orientation in a conversation that in reality, unfortunately, never took place: Apart from the poetic orientation in a function, Ulrich, the protagonist of the novel, assumes in this elaboration the role of a companion; he leads the reader through the work and associates, ´on the way to the other´, philosophical movements with Musil´s novel. The ´way to the other´ begins with the metaphor of the ´Conflict of the two trees´, which Ulrich notices in himself: Human co-operation is followed under both trees, as phenomenological approaches are depicted, analyzed and observed on a comparative basis. The ´Tree of hard confusion´ stands for reserved recognition; Husserl´s intentionality and inter-subjectivity lead into a ´Concert of lonely monads´. The ´Tree of shadows and dreams´ - represented by Klages – stand for merging mystic-pathic experience that also isolates human beings. A connection between the two trees takes place in the ´Encounter between the trees´ in the human co-operation of Ulrich and his sister Agathe; here – to remain in the image – the ´Tree of life´ flourishes in the soil of the essential ´your need for me´. This tree is presented with regard to its deep rootedness: Approaches by Feuerbach, Dilthey and Plessner refer to man´s common interest, historicity and eccentricity. The analysis of the structure of the tree follows this; here Löwith´s approach refers to the ontological-constitutional ambiguity to be found in man. In the crown of ´Tree of life´, the dialogists Buber, Rosenzweig and Rosenstock-Huessy search for the same naturalness in the ´sphere of between´, following the way from to become man to a lived conditional humanity in the horizon of spoken language. Comparative examinations reveal diverging tendencies which are shown in concentrated form in the résumé: Under a philosophical content aspect it is shown why human beings ´under both trees´ persist in lonely narrow-mindedness and finiteness, whereas in the ´Encounter between the trees´- in human co-operation – they attain freedom and infinity: ´Attitude versus integration´ decides on isolated or successful life. Under the philosophical-cultural scientific aspect traces are revealed in Musil´s novel ´The Man without Qualities´ which allow one to assume that Musil had wanted to impart dialogic thinking ´incognito´ through his novel; the yearning for human co-operation aroused therein is necessary to take responsibility in life – among human beings, in concrete terms and again and again…
DDC: 100 Philosophie
100 Philosophy
Institution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Department: FB 05 Philosophie und Philologie
Place: Mainz
DOI: http://doi.org/10.25358/openscience-2693
Version: Original work
Publication type: Dissertation
License: in Copyright
Information on rights of use: https://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/
Extent: 923 S.
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