‚Wide awake‘ - Anwendung in der Handchirurgie: Eine retrospektive Untersuchung der subjektiven Zufriedenheit von handchirurgisch operierten Patienten in wide awake im Vergleich zur Allgemein- und Regionalanästhesie
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WALANT ist eine revolutionäre Technik für Operationen an der Hand. Gerade in der Zeit, in
den Ressourcen, Zeit- und Kosteneffizienz eine größere Rolle spielen, gewinnt WALANT
zunehmend an Bedeutung. Hierbei handelt es sich um ein blutungsarmes
Lokalanästhesieverfahren, bei dem zu einem Lokalanästhetikum zusätzlich hochverdünntes
Adrenalin subkutan in das Operationsgebiet injiziert wird. Dabei bewirkt das Adrenalin eine
Vasokonstriktion und die Herbeiführung einer optimalen Sicht im Operationsgebiet. Das
Operieren am wachen Patienten ohne den Einsatz einer Blutsperre oder Narkose wird dadurch
ermöglicht. Der kanadische Handchirurg Donald H. Lalonde gilt als einer der Pioniere von
WALANT. Er widerlegte den Mythos von Fingernekrosen bei Applikation von Adrenalin in die
Akren. Seit dem Sicherheitsnachweis von Adrenalin durch Lalonde und die Optimierung der
Technik wird WALANT weltweit erfolgreich eingesetzt. WALANT hat bedeutende Vorteile: Es
reduziert Operationen auf die Einfachheit eines Zahnarztbesuchs, dadurch kann in jeglicher
Hinsicht ressourcenschonend und kostenoptimiert gearbeitet werden.
Die Sicherheit und die Wirksamkeit von WALANT sind in der Literatur ausreichend belegt,
hingegen wurde die Sicht der Patienten zu WALANT nicht ausreichend aufgearbeitet. Diese
Studie hatte daher zum Ziel, die subjektive Patientenzufriedenheit, den Komfort, die Angst und
die Schmerzwahrnehmung von WALANT mit den konventionellen Anästhesiemethoden zu
vergleichen.
Im Zeitraum von Juli 2020 und Juli 2022 wurden alle Patienten erfasst, die im MVZ am St.
Vinzenz-Krankenhaus, Sektion Handchirurgie, in Hanau sowie in der Universitätsmedizin
Mainz aufgrund eines Karpaltunnels oder einer Tendovaginitis stenosans handchirurgisch
behandelt wurden. Nach Anwendung der Ausschlusskriterien wurden sämtliche relevante
Items aus den Krankenakten retrospektiv erfasst. Die Erhebung des Fragebogens erfolgte
mittels telefonischer Interviews. Hierbei kam ein selbst erstellter, nicht validierter Fragebogen
zur Anwendung. Insgesamt nahmen 348 Personen an der Studie teil, wovon 226 den
Fragebogen beantworteten. Anschließend wurde das Patientenkollektiv in die jeweiligen vier
Narkoseformen unterteilt und miteinander verglichen. Die statistische Analyse erfolgte mithilfe
von IBM SPSS. Die Prüfung von Korrelationen wurde nach Spearman und Pearson und mittels
des t-Tests durchgeführt. Der Fragebogen wurde mit dem Mann-Whitney-U-Test ausgewertet.
Für alle quantitativen Merkmale wurden statistische Kennzahlen berechnet.
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die WALANT-Technik mit einer höheren
Patientenzufriedenheit verbunden ist. Diese Verbesserung der Patientenzufriedenheit geht
nicht zulasten der Qualität der OP, ebenso gibt es kein erhöhtes Risiko für das Auftreten von
Komplikationen.
Insgesamt empfanden die Patienten den Eingriff in allen Anästhesieformen als wenig
schmerzhaft bzw. unangenehm. Hinsichtlich des intra- und postoperativen Schmerzes gibt es
keine Unterschiede zwischen den jeweiligen Anästhesieformen. Der Schmerz des Tourniquets
verursachte den Patienten der Regional- und Allgemeinanästhesie das meiste Unbehagen,
jedoch empfanden die Patienten den Einstichschmerz der Betäubung bei WALANT als stärker.
Trotz dessen waren Patienten nach einer OP mit WALANT insgesamt zufriedener.
Patienten der WALANT-Methode waren über mehrere Dimensionen hinweg zufrieden bis sehr
zufrieden. Sie waren in jeder Hinsicht im Gesamten zufriedener als Patienten der alternativen
Anästhesiemethoden, jedoch ist der Unterschied gering oder statistisch nicht signifikant. Die
Ergebnisse zeigen, dass Patienten bei WALANT mindestens genauso zufrieden sind wie
Patienten in konventioneller Anästhesie (60, 88).
Bei jeder Anästhesieform berichteten Patienten gleichermaßen über eine ehe geringe Angst.
Im Mittelwertvergleich konnte in keiner Gruppe ein statistisch signifikanter Unterschied
festgestellt werden, daher verursacht der Gedanke, bei der OP wach zu sein, in der Regel
keine zusätzliche Angst. Das wurde bereits in der Literatur erwähnt (8, 84). Im Unterschied
dazu konnte diese Studie darlegen, dass präoperativ ängstlichere Patienten nach einer OP mit
WALANT postoperativ zufriedener sind als nach einer OP mit einer konventionellen
Anästhesie. Demnach profitieren ängstlichere Patienten von einer Operation mit WALANT.
Erklärt werden könnte dieses Phänomen durch die Möglichkeit des intraoperativen interaktiven
Gespräches, das beruhigend für den Patienten wirkt und nur in WALANT möglich ist.
Diese Studie hebt den Nutzen und die Sinnhaftigkeit der Patientenedukation hervor. Patienten,
die mit WALANT operiert wurden, können durch ihr eigenes Mitwirken selbst etwas zum Erfolg
der Behandlung beitragen. Das resultiert in einem verbesserten klinischen Outcome und einer
optimierten postoperativen Zufriedenheit. Anderseits zeigt die Studie auf, dass sich nicht alle
Patienten Edukation wünschen. Die Mehrheit der Patienten, die in Vollnarkose operiert
wurden, haben es bevorzugt, bei ausgeschaltetem Bewusstsein behandelt zu werden, und
wünschen es sich wieder. Dies zeigt auf, dass WALANT nicht für jede Person die geeignetere
Alternative ist, daher sollte der Operateur mitbestimmen, welche Narkose zu welchem
Patienten passt.
Es ist in der Literatur belegt, dass WALANT komplikationsarm ist und ein gutes funktionelles
Ergebnis bietet (59, 94). Im Vergleich ist der Anteil der Komplikationen bei den verschiedenen
Anästhesieformen weitestgehend ähnlich. Es wurde kein signifikanter Unterschied in der
Komplikationsrate zwischen den Anästhesieformen festgestellt. Zudem gibt es keinen
signifikanten Unterschied bei der Fingerstreckung und dem Faustschluss am ersten
Nachuntersuchungstag zwischen den jeweiligen Anästhesieformen. Aus diesem Grund kann
angenommen werden, dass alle Methoden in gleichem Maße sicher und wirksam sind und
dem Patienten bei der Wahl der Anästhesietechnik kein Nachteil entsteht. Insgesamt stützen
die Ergebnisse der hier durchgeführten Studie die Behauptung, dass WALANT eine sichere,
schnelle, wirksame und gut akzeptierte Methode für die Handchirurgie ist.
Zuletzt bekräftigen die Studienergebnisse die Entbehrlichkeit von Opiaten nach Karpaldach-
oder Ringbandspaltung.
Limitiert wurde diese Studie dadurch, dass etwa ein bis drei Jahre zwischen der Operation und
der Befragung lagen, was zu einem recall bias geführt haben könnte. Zudem wurden nicht alle
Anästhesieformen an beiden Standorten durchgeführt, weswegen es zu einer Verzerrung in
der Zufriedenheit aufgrund innerbetrieblicher Abläufe und zu einem lost-to-follow-up
gekommen sein könnte.
