Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch: Die Buchversorgung der deutschen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg im Spannungsfeld von Mobilmachung und Eigen-Sinn der Buchbranche

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Auf der Grundlage von historischen Quellen (insb. Archivalien aus dem Bundesarchiv und Sächsischen Staatsarchiv) rekonstruiert die Dissertation die Entstehungs- und Entscheidungsprozesse der buchpolitischen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Buchversorgung im Krieg, arbeitet die Bedeutung sowie die Funktionen des Mediums Buch und der Buchversorgung für die Kriegsführung des NS-Staates heraus und zeigt, welchen Einfluss die traditionelle Buchbranche als Akteur auf die Ausgestaltung der Buchversorgung im Zweiten Weltkrieg hatte. Als theoretische Grundlage dient das von Alf Lüdtke geprägte Konzept von „Herrschaft als sozialer Praxis“, das auch vermeintlich beherrschten Akteuren in totalitären Regimen eine gewisse Handlungsmacht zuerkennt. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, welche Auswirkungen der Krieg auf die Buchversorgung hatte, welchen Stellenwert das Medium innerhalb der NS-Propaganda einnahm, welche inhaltlichen und symbolischen Funktionen ihm im Krieg zugeschrieben wurden, weshalb eine staatlich geregelte Buchversorgung erwünscht war und welche Probleme damit verbunden waren. Insbesondere die medienspezifischen Eigenschaften des Buchs und die buchhandelsspezifischen Besonderheiten, die auf die charakteristische Entstehungsgeschichte des deutschen Buchhandels und sein Selbstverständnis zurückgingen, waren ausschlaggebend dafür, dass die Mangelware Buch nicht wie andere Mangelgüter bewirtschaftet wurde. Trotz schneller Gleichschaltungstendenzen hielt die Buchbranche im Krieg an traditionellen Praktiken und Marktstrukturen fest. Ihr eigen-sinniges Verhalten war nicht politisch-ideologisch, sondern primär wirtschaftlich und standespolitisch motiviert.

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