Der Zusammenhang zwischen speziellem medizinischen Versorgungsbedarf und Bildungsergebnissen von Grundschulkindern

dc.contributor.advisorUrschitz, Michael
dc.contributor.authorSchlecht, Jennifer
dc.date.accessioned2026-01-05T14:39:45Z
dc.date.issued2024
dc.description.abstractIm Zuge des epidemiologischen Übergangs hat sich das Spektrum der Erkrankungen auch im Kindes- und Jugendalter verschoben. Die Hauptursache für den Verlust von gesunden Lebensjahren sind mittlerweile chronische Erkrankungen. Eine besondere Untergruppe sind Kinder mit speziellem medizinischen Versorgungsbedarf (SHCN, special health care needs) aufgrund einer chronischen Erkrankung, die in Deutschland 15 bis 17% aller Kinder im Grundschulalter ausmachen. Die Inklusionsbestrebungen rücken die Bedarfe chronisch kranker Kinder und Jugendlicher im Schul- und Bildungskontext in den Vordergrund. In vielfältigen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde ein positiver Zusammenhang zwischen Gesundheit im Kindes- und Jugendalter und Bildung beschrieben. Aufgrund fehlender Längsschnittuntersuchungen zu diesem Zusammenhang in Deutschland wurde die Kindergesundheits- und Bildungsstudie ikidS (ich komme in die Schule) initiiert. Auf Basis der ikidS-Daten berichten Hoffmann et al., dass Kinder mit SHCN am Ende der ersten Klasse niedrigere schulische Fähigkeiten aufwiesen als Kinder ohne SHCN. Offen blieb in dieser Untersuchung allerdings, in welchen schulischen Kernkompetenzen Kinder mit SHCN besonders benachteiligt sind und wo potentielle Ansatzpunkte für Interventionsmaßnahmen liegen. Internationale Forschungsergebnisse zu möglichen Effekten hinsichtlich mathematischer, sprachlicher und Lesefähigkeiten sowie schulischen Fehltagen und Konzentrationsfähigkeit könnten nur eingeschränkt auf Deutschland übertragbar sein. Die vorliegende kumulative Dissertationsschrift hat zum Ziel, diese Forschungslücke in Deutschland zu schließen. Es wird zunächst die Stärke des Zusammenhangs zwischen SHCN, gemessen über das Children with Special Health Care Needs Screeninginstrument, und fünf schulischen Fähigkeiten geschätzt (Artikel 1). Darauf aufbauend werden die Zusammenhänge zwischen SHCN und zwei potentiellen Mediatoren des Zusammenhangs zwischen SHCN und frühem Bildungserfolg untersucht. Im Speziellen wurde hier die Stärke des Zusammenhangs zwischen SHCN und i) krankheitsbedingten schulischen Fehltagen (Artikel 2) und ii) Lernfähigkeiten im Sinne von schulischer Konzentrationsfähigkeit (Artikel 3) geschätzt. Der erste Artikel beschäftigt sich mit der Stärke der Zusammenhänge zwischen SHCN und fünf schulischen Fähigkeiten: i) mathematische, ii) naturwissenschaftliche, iii) sprachliche, iv) schriftsprachliche und v) soziale Fähigkeiten. Alle Fähigkeiten wurden am Ende der ersten Klasse von der Lehrkraft jedes Kindes auf einer fünfstufigen Skala von -2 (viel schlechter) bis +2 (viel besser im Vergleich zu Kindern gleichen Alters) eingeschätzt. Kinder mit SHCN scheinen im Vergleich zu Kindern ohne SHCN insbesondere in mathematischen (adjustierte Mittelwertdifferenz: −0,40; 95% KI [−0,57; −0,23]) und schriftsprachlichen Fähigkeiten (−0,22; 95% KI [−0,39; −0,05]) benachteiligt zu sein. Wir schätzen in dem zweiten Artikel, dass Kinder mit SHCN im ersten Schuljahr eine um 37% erhöhte Rate (95% KI [1,16; 1,62] nach Adjustierung für potentielle Störvariablen) krankheitsbedingter schulischer Fehltage im Vergleich zu Kindern ohne SHCN haben. Insbesondere Kinder mit i) funktionellen Einschränkungen, ii) Behandlung oder Beratung aufgrund von emotionalen, Entwicklungs- oder Verhaltensproblemen benötigen und iii) Kinder, bei denen mindestens zwei der fünf über das Screeninginstrument abgedeckten Konsequenzen einer chronischen Erkrankung vorlagen, scheinen mehr krankheitsbedingte Fehltage zu haben. In dem dritten Artikel schätzen wir die Stärke des Zusammenhangs zwischen SHCN und Konzentrationsfähigkeit. Diese wurde am Ende der ersten Klasse von der Lehrkraft jedes Kindes auf einer fünfstufigen Skala von -2 (viel schlechter) bis +2 (viel besser im Vergleich zu Kindern gleichen Alters) eingeschätzt. Kinder mit SHCN scheinen eine eingeschränktere Konzentrationsfähigkeit im Vergleich zu Kindern ohne SHCN zu haben (adjustierte Mittelwertdifferenz: −0,35; 95% KI [−0,52; −0,17]). Auch hier wurden vor allem Kinder mit i) Behandlung oder Beratung aufgrund von emotionalen, Entwicklungs- oder Verhaltensproblemen, ii) funktionellen Einschränkungen und iii) Kinder, bei denen mindestens zwei der fünf über das Screeninginstrument abgedeckten Konsequenzen einer chronischen Erkrankung vorlagen, am niedrigsten bewertet. Kinder mit SHCN scheinen bereits früh in ihrer Schullaufbahn in den Bereichen Mathematik und Schriftsprache benachteiligt zu sein, was u.a. durch mehr schulische Fehltage und eine eingeschränktere Konzentrationsfähigkeit bedingt sein könnte. Derzeitige Versorgungs-, Förder- und Unterstützungsmaßnahmen scheinen diese frühen gesundheitsbezogenen Bildungsunterschiede nicht effektiv verhindern zu können. Wissenschaftliche Forschungsarbeiten lassen außerdem vermuten, dass derzeitige Maßnahmen diese Bildungsunterschiede auch im weiteren Schulverlauf nicht vollständig ausgleichen können. Mögliche Gründe hierfür sind ein fehlendes Angebot, unpassende Zugangswege, Barrieren in der Inanspruchnahme und/oder mangelnde Wirksamkeit existierender Maßnahmen. Schulgesundheitsfachkräfte könnten ein wirkungsvoller Ansatz sein, um gesundheitsbezogene Bildungsunterschiede zu verhindern und/oder zu verringern.de
dc.identifier.doihttps://doi.org/10.25358/openscience-13833
dc.identifier.urihttps://openscience.ub.uni-mainz.de/handle/20.500.12030/13854
dc.identifier.urnurn:nbn:de:hebis:77-a089f7f7-be67-4d82-b5ad-0147b2498c238
dc.language.isoger
dc.rightsCC-BY-4.0
dc.rights.urihttps://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
dc.subject.ddc610 Medizinde
dc.subject.ddc610 Medical sciencesen
dc.titleDer Zusammenhang zwischen speziellem medizinischen Versorgungsbedarf und Bildungsergebnissen von Grundschulkindernde
dc.typeDissertation
jgu.date.accepted2025-11-28
jgu.description.extentII, 99 Seiten ; Illustrationen, Diagramme
jgu.identifier.uuida089f7f7-be67-4d82-b5ad-0147b2498c23
jgu.organisation.departmentFB 04 Medizin
jgu.organisation.nameJohannes Gutenberg-Universität Mainz
jgu.organisation.number2700
jgu.organisation.placeMainz
jgu.organisation.rorhttps://ror.org/023b0x485
jgu.organisation.year2024
jgu.rights.accessrightsopenAccess
jgu.subject.ddccode610
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jgu.type.resourceText
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