Resilienz(-faktoren) bei vulnerablen Gruppen – mit besonderem Fokus auf die Corona-Pandemie und auf psychoonkologische Interventionen für junge an Krebs erkrankte Menschen

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Die Förderung von Resilienz(-faktoren) gewinnt aufgrund gesamtgesellschaftlicher steigender Anforderungen mehr und mehr an Aufmerksamkeit. Die psychische Widerstandskraft befähigt trotz Stress und Krisen die mentale Gesundheit aufrecht zu erhalten bzw. rasch wieder zu erlangen. Dabei gelten Resilienzfaktoren (z. B. Selbstwirksamkeit) zu den miteinander interagierenden Schutzfaktoren, die mit Resilienz assoziiert sind. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Risikofaktoren, wie beispielsweise Erkrankungen, die im Gegensatz dazu mit erhöhter Vulnerabilität assoziiert sind. Die Identifikation von besonders vulnerablen Gruppen sowie die Ermittlung ihrer Bedürfnisse und Bedarfe zur Entwicklung von resilienzförderlichen Interventionen sind Zielstellungen dieser Dissertation. Dies wird exemplarisch anhand der Zielgruppe junger an Krebs erkrankter Erwachsener (Adolescents and Young Adults with Cancer; AYAC; im Alter zwischen 18-49 Jahren) verfolgt. Hierfür sollen zunächst in der allgemeinen Gesellschaft besonders häufig auftretende und besonders belastende Stressoren (auch in Anbetracht der Corona-Pandemie) identifiziert, deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit (Resilienz) untersucht sowie Resilienz- und Risikofaktoren (in Hinblick auf besonders belastete Gruppen) abgeleitet werden (Corona-Studie). Anschließend werden spezifische Resilienz fördernde Faktoren/ Interventionen an der besonders vulnerablen Gruppe der AYAC untersucht(Systematisches Review). Durch die erhaltenen Ergebnisse wurden abschließend ein resilienzfördernder Workshop und eine Resilienzbroschüre entwickelt. Die Corona-Studie ist eine repräsentative Bevölkerungsumfrage nach der ersten Corona-Welle im Juni/Juli 2020 an 3.055 über 18-jährigen Erwachsenen in Deutschland. Die Corona-Pandemie stellte eine globale Krise dar. Deshalb wurden in der Studie allgemeine sowie coronaspezifische Stressoren sowie deren Einfluss auf die psychische Gesundheit (=Resilienz) als auch auf Risiko- und Schutzfaktoren untersucht. Zur Auswertung wurden deskriptive Methoden, grafische Darstellungen als auch Multiple Regressionen und Moderationsanalysen verwendet. Es konnten Corona-spezifische Belastungen wie finanzielle Probleme, Schlafstörungen, Berichte in den Medien über das Coronavirus sowie der Ausschluss von Freizeitaktivitäten/wichtigen sozialen Ereignissen) identifiziert werden. Weibliches Geschlecht, höheres Alter und niedrigerer Bildungsstand wurden als allgemeine Risikofaktoren identifiziert, somatische Erkrankungen als spezifischer Risikofaktor im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Währenddessen erwiesen sich Selbstwirksamkeit und Kontrollüberzeugung als Corona spezifische Schutzfaktoren. Weitere Analysen zeigten, dass ein höheres Alter und die Diagnose einer somatischen Krankheit den positiven Einfluss von Kontrollüberzeugung, Selbstwirksamkeit und sozialer Unterstützung auf die Resilienz abschwächten. Die Studie liefert Anhaltspunkte dafür, dass der positive Einfluss von Resilienzfaktoren, insbesondere bei den anfälligsten Gruppen (ältere Menschen und körperlich Erkrankte), gemindert wird. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, diese besonders gefährdeten Gruppen gezielt zu fördern. Die Diagnose Krebs erhöht das Risiko für die Entwicklung von stressbedingten psychischen Störungen. Bislang wächst die Evidenz für interventionsbasierte Maßnahmen zur Resilienzförderung bei Krebspatient:innen, wenig ist jedoch über die Patientengruppe der AYAC bekannt: Sie sind neben den Belastungsfaktoren durch die Erkrankung und Behandlung, zudem ggfs. noch mit nicht abgeschlossenen Entwicklungs- und Reifungsaufgaben sowie einem längerem Leben mit Krebs (cancer survior) belastet und somit besonders anfällig (vulnerabel) für weitere Probleme. Ihre spezifischen Bedürfnisse und Bedarfe werden bislang zu wenig in der Forschung adressiert. Das systematische Review versucht diese Lücke zu füllen, indem es bis zum 2. Januar 2023 sechs Datenbanken nach randomisierten kontrollierten Studien zu interventionsbasierten Maßnahmen zur Förderung von Resilienz im Rahmen der psychoonkologischen Behandlung von AYAC durchsuchte. Die Ergebnisse wurden qualitativ und quantitativ mittels Multilevel Random-Effects-Meta-Analysen zusammengefasst, die die psychische Gesundheit und Belastung der Interventions- und Kontrollgruppen bei Post-Interventions- und Follow-Up-Bewertungen verglichen. Dreizehn Studien mit 69 Effektschätzungen waren geeignet. Insgesamt lieferten die Meta-Analysen im Gesamttest über alle Studien hinweg keine Evidenz für günstige Effekte von interventionsbasierten Maßnahmen zur Förderung von Resilienz gegenüber Kontrollbedingungen. Es wurden jedoch bei den Subanalysen Hinweise auf Moderationseffekte, d. h., signifikant größere positive Effekte auf psychische Belastung oder positive psychische Gesundheit bei Personen in partnerschaftlichen Beziehungen sowie in Gruppen-Setting durchgeführten Interventionen, gefunden. Die Primärstudien lieferten darüber hinaus Hinweise auf resilienzfördernde Faktoren. Auf dieser Grundlage wurden abschließend zwei Interventionsmaßnahmen entwickelt: Das Trainer:innen-Manual des resilienzfördernder Workshopsgibt Handlungsanweisungen zur Durchführung eines 1,5-tägigen resilienzfördernden Gruppenworkshops, inklusive eines „Kräfte-für-Krisen“-Arbeitsbuches. Die Resilienzbroschüre, die im Narrativ eines Selbsthilfesettings Resilienzfaktoren gemünzt auf die Problematiken bzw. Bedürfnissen der AYAC erläutert (Psychoedukation), gibt zudem Impulse zum Nachdenken (Förderung der Reflexion) und letztlich Bewältigungsstrategien (Förderung der kognitiven Umstrukturierung, Emotionsregulation, Stressbewältigung, Lösungsorientierung) mit an die Hand.

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