Geschlechtsaspekte in der Ophthalmologie und ophthalmologischen Versorgung

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Die Gendermedizin beschäftigt sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden, die sich in verschiedenen Krankheitsverläufen und Symptomen äußern. Das Ziel der Gendermedizin ist somit die Umsetzung einer geschlechtersensiblen Medizin, um eine patientenindividuelle Di-agnostik, Therapie und Versorgung zu gewährleisten. Der Fokus der Dissertation liegt auf der Analyse von Geschlechterunterschieden in der Ophthalmologie. Die Untersuchung umfasst die Anatomie und Physiologie des menschlichen Auges sowie die Entwicklung der Anatomie bezogen auf die Frühgeburtlichkeit, geschlechterspezifische Veränderungen der visuellen Le-bensqualität und die beruflichen Zukunftsperspektiven von Augenärzten*. Im Rahmen der Studie fanden wir physiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, mit längeren beziehungsweise größeren Augenparametern bei Männern. Dies betrifft die Ach-senlänge des Auges, die Hornhautverkrümmung, die Linsendicke und den White-to-White Ab-stand. Die Analyse der Augenbiometrie bei Frühgeborenen zeigte einen geschlechtsspezifi-schen Zusammenhang zwischen niedrigerem Gestationsalter und einer dickeren zentralen Foveadicke. Diese Auswirkung zeigte sich bei Männern stärker ausgeprägt. Bei der Veränderung des Augeninnendrucks über 5 Jahre zeigte sich eine stärkere Zunahme bei Männern (0,77 ± 2,11 mmHg) im Vergleich zu Frauen (0,69 ± 1,96 mmHg; p < 0,05). Auch im Querschnitt wiesen Männer in der Kohorte der Gutenberg-Gesundheitsstudie einen höhe-ren Augeninnendruck auf. Zudem zeigte die Untersuchung des Augeninnendrucks, dass die-ser saisonal unterschiedlich ist, mit niedrigeren Werten im Sommer und höheren Augeninnen-druckwerten im Winter. Dies ist bei beiden Geschlechtern gleichermaßen der Fall. Des Weite-ren zeigte sich bei Frauen ein Zusammenhang mit der Einnahme von einer Untergruppe der Antidepressiva (ATC-Subtyp N06AX) mit einer Augeninnendruckveränderung über 5 Jahre. Dieser Zusammenhang war bei Männern nicht nachweisbar. In Bezug auf die Entwicklung der visuellen Lebensqualität über einen Zeitraum von 5 Jahren zeigte sich bei beiden Geschlechtern eine Abnahme, die mit einer Verschlechterung der Seh-schärfe assoziiert war. Die Verschlechterung der visuellen Lebensqualität war bei Frauen stär-ker ausgeprägt. Schließlich zeigten sich auch psychosoziale Unterschiede bei Augenärzten in Deutschland: Frauen zeigten häufiger den Wunsch nach einer beruflichen Veränderung als Männer (49% vs. 40%) und wünschten eine kürzere Arbeitsdauer (21-30 h/Woche vs. 31-39 h/Woche) bei der Analyse von Augenärzten unter 49 Jahren. Des Weiteren wiesen Männer im Vergleich zu den Frauen in der Studienkohorte einen höheren sozioökonomischen Status und eine längere Bildungsdauer auf. Die Dissertation gibt erste Hinweise darauf, dass Geschlechterunterschiede in der Ophthal-mologie existieren. In der Zukunft ist es wichtig, weitere Bereiche der Augenheilkunde ge-schlechterspezifisch zu untersuchen, um eine patientenindividuelle Diagnostik und Therapie sicherzustellen. *Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Dissertation überwiegend das generische Maskulinum verwendet. Dies impliziert immer alle Formen, schließt also die weibliche und diverse Form mit ein.

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