Softwarelokalisierung und Kontext - Zur Rolle von Kontext und Referenzmaterial bei der Lokalisierung von GUIs für Anwendungsprogramme
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Abstract
Im Rahmen dieser Dissertation wird ein Teilbereich der Softwarelokalisierung, nämlich die Lokalisierung grafischer Benutzeroberflächen (Graphical User Interfaces, GUIs) von Anwendungsprogrammen, untersucht. Der erste Schwerpunkt dabei ist das Problem des Kontexts bzw. des fehlenden Kontexts, das in der Literatur zur Softwarelokalisierung an vielen Stellen thematisiert wird. Textelemente in GUIs von Softwareprodukten unterscheiden sich von anderen Texten, weil es darin keine Abfolge von Sätzen, Absätzen und Abschnitten gibt. In GUIs finden sich dagegen viele jeweils eigenständige Textelemente, die häufig aus nur einem oder wenigen Wörtern und nur in seltenen Fällen aus vollständigen Sätzen bestehen. Beispielhaft können dafür die Textelemente in Menüs oder Dialogfeldern genannt werden. Für die Übersetzung solcher Textelemente werden häufig zusätzliche Kontextinformationen als unabdingbar angesehen. Diese Vorstellung des fehlenden Kontexts in Bezug auf die Lokalisierung von GUIs wird in dieser Dissertation so konkretisiert, dass sie operationalisierbar und damit empirisch untersuchbar wird, so dass anschließend weitere Fragestellungen in diesem Zusammenhang untersucht werden können, wie Fragen der Übersetzungsalternativen oder des kognitiven Aufwands.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Frage des für die Recherche bei der Lokalisierung von GUIs genutzten Referenzmaterials. In der Literatur zur Softwarelokalisierung werden verschiedene notwendige bzw. wünschenswerte Referenzmaterialien genannt. In dieser Dissertation wird untersucht, ob sich diese Materialien auch verschiedenen Aspekten der Kontextfrage zuordnen lassen und sich für unterschiedliche Übersetzungsprobleme aus dem Fokuskreis des Kontexts in unterschiedlichem Maße eignen.
Der erste Teil der Beantwortung dieser Fragen erfolgt in dieser Dissertation über eine theoretische Herangehensweise, an die sich verschiedene aufeinander aufbauende empirische Studien anschließen. Die genutzten Methoden dieser Studien sind Korpuslinguistik zur Überprüfung des Ausgangstexts, ein Übersetzungstest zur Ermittlung der Anzahl von Übersetzungsalternativen und für erste Einblicke in Recherche bzw. Referenzmaterialien und zuletzt eine Eye-Tracking- und Key-Logging-Studie, die auf dieser Basis Rückschlüsse im Hinblick auf den kognitiven Aufwand sowie auf hilfreiche Referenzmaterialien ermöglicht.
