Einfluss von Ischämie und septischem Schock auf die Transplantatperfusion und -vitalität – Eine Studie im Großtiermodell

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Die mikrovaskuläre Rekonstruktion mit freien Gewebetransplantaten stellt den Goldstandard zur funktionellen und ästhetischen Wiederherstellung komplexer Defekte in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie dar. Während vaskuläre Komplikationen gut untersucht sind, fehlt es bislang an Daten zur Beeinflussung der Transplantatvitalität durch systemische Faktoren wie Sepsis. Ziel dieser Arbeit war es, ein experimentelles Großtiermodell zu etablieren, dass die differenzierte Untersuchung transplantatspezifischer metabolischer und perfusionsabhängiger Veränderungen unter septischen Bedingungen erlaubt. Bei insgesamt 73 Versuchstieren wurde ein freier mikrovaskulärer Gewebetransfer mittels myokutanem Gracilis-Lappen durchgeführt und über einen in der Stielvene einliegenden Katheter kontinuierlich venöses Blut zur Analyse entnommen. Nach Etablierung des Versuchsmodells und Evaluation der Auswirkungen der transferbedingten Ischämie wurde im zweiten Teil der Studie durch Lipopolysaccharid-Infusion ein septischer Schock induziert. Die Tiere wurden randomisiert mit einer kristalloiden Lösung (Sterofundin®), kolloidalen Lösung (Gelafundin®) oder einer Kombination aus Kristalloid mit Resveratrol therapiert. Zur Untersuchung der Transplantatperfusion und des Transplantatstoffwechsels kamen Hyperspektralbildgebung und Blutgasanalyse zum Einsatz. Bereits kurze Ischämiezeiten führten zu einer metabolischen Stressreaktion mit Azidose, Elektrolytverschiebungen und gesteigertem Laktat im Transplantat. Unter septischen Bedingungen zeigten sich therapieabhängige Unterschiede: Kristalloide führten zu einer signifikant verbesserten Mikrozirkulation und Sauerstoffversorgung im Gewebe, während Resveratrol positive Effekte auf die Gewebshydratation und -perfusion aufwies. Kolloidale Lösungen zeigten in allen Parametern eine geringere Effektivität. Die venösen Blutgaswerte bestätigten diese Beobachtungen von lokal unterschiedlichen Reaktionen mit klare rDifferenzierung transplantatspezifischer Reaktionen gegenüber zentralvenösen Referenzwerten in Abhängigkeit von der Art der Volumentherapie. Die Ergebnisse dieser Arbeit verdeutlichen die Vulnerabilität freier Transplantate unter septischen Bedingungen und zeigen, dass nicht nur chirurgische, sondern auch systemische Faktoren wie hämodynamische Stabilität und Flüssigkeitstherapie entscheidend für das Transplantatüberleben sind. Kristalloide Lösungen erscheinen im septischen Schock zur Perfusionssicherung am effektivsten, während Resveratrol potenziell ödemprotektive Eigenschaften besitzt. Das entwickelte Modell erlaubt eine hochdifferenzierte Analyse transplantatspezifischer Reaktionen und stellt damit eine valide Grundlage für weiterführende Untersuchungen dar. Auch wenn die Übertragbarkeit präklinischer Daten auf den Menschen stets nur bedingt möglich ist, liefern die gewonnenen Erkenntnisse wertvolle Hinweise für das perioperative Management mikrochirurgischer Patienten mit erhöhtem Sepsisrisiko. Eine Kombination aus individualisierter Volumentherapie und engmaschigem Monitoring könnte langfristig helfen, das Risiko für Transplantatversagen zu reduzieren.

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