Vulnerabilitäten und Verletzungserfahrungen in den Krankheits- und Behandlungsverläufen onkologisch erkrankter Kinder und Jugendlicher. Eine qualitative phänomenologische Studie
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Kinder und Jugendliche mit Krebs gelten aufgrund ihres Alters und ihrer onkologischen Erkrankung als „doppelt vulnerable“ Gruppe. Eine tiefgreifende, konzeptuell fundierte Auseinandersetzung mit Vulnerabilität als Dimension gelebter Erfahrung und Aspekt der Lebenssituation dieser Patient*innen hat bisher jedoch noch nicht stattgefunden. Die vorliegende Dissertation hat sich dieser Forschungslücke angenommen. Zunächst findet eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept der Vulnerabilität statt, in deren Zuge die lange dominierende, rein „zuschreibende“ Operationalisierung verlassen und ein (u.a.) an die responsive Phänomenologie von Bernhard Waldenfels anknüpfendes, erfahrungsbezogenes Verständnis entworfen wird. Auf Grundlage qualitativer Forschung mit Kindern, Jugendlichen, Eltern sowie Ärzt*innen wurden sodann Vulnerabilitäts- und Verletzungserfahrungen junger onkologischer Patient*innen im Rahmen von vier ausführlichen Fallanalysen phänomenologisch untersucht. Auf diese Weise werden die multiplen Verletzbarkeiten dieser Kinder und Jugendlichen sicht- und nachvollziehbar, die sich v.a. in leibkörperlichen Versehrungen und Grenzsituationen sowie in Verletzungen sozialer und kommunikativer Art manifestieren. Gleichzeitig werden in den Fällen die Kompetenzen der Teilnehmer*innen sichtbar, mit ihrer Lebenssituation umzugehen. Die Ergebnisse werden abschließend fallübergreifend diskutiert. Final deuten sich eine „responsive Ethik“ bzw. eine „Ethik der Vulnerabilität“ als für die Versorgungspraxis potenziell fruchtbare Antworten auf die (Lebens-)Situationen „vulnerabler“ Patient*innen an.
