Originalien und Übersichten Bundesgesundheitsbl 2022 · 65:1178–1187 Julia Petersen1 · Lina Marie Mülder1,2 · Peter Kegel3 · Nikolaus Röthke4 · https://doi.org/10.1007/s00103-022-03593-0 Hauke Felix Wiegand4 · Klaus Lieb4 · Henrik Walter5 · Anna-Lena Bröcker5 · Eingegangen: 12. November 2021 Susanne Liebe6 · Oliver Tüscher4 · Andrea Pfennig7 · Birgit Maicher7 · Angenommen: 6. September 2022 8 Online publiziert: 7. Oktober 2022 Sabine Hellwig · Frank Padberg 9 · Kristina Adorjan9 · Stefan Unterecker10 · © Der/die Autor(en) 2022 Paula Wessels 10 · Dirk-Matthias Rose3 · Manfred E. Beutel1 1 Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-UniversitätMainz, Mainz, Deutschland; 2 Abteilung für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie, Institut für Psychologie, Johannes Gutenberg-UniversitätMainz, Mainz, Deutschland; 3 Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Universitätsmedizin, Johannes Gutenberg-UniversitätMainz, Mainz, Deutschland; 4 Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin, Johannes Gutenberg-UniversitätMainz, Mainz, Deutschland; 5 Klinik für Psychiatrie und Psychotheraphie, CCM, Charité-UniversitätsmedizinBerlin, corporatemember of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland; 6 UniversitätsklinikumCarl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Dresden, Deutschland; 7 Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, UniversitätsklinikumCarl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Dresden, Deutschland; 8 Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Freiburg, Deutschland; 9 Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-UniversitätsklinikumMünchen, München, Deutschland; 10 Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, UniversitätsklinikumWürzburg, Würzburg, Deutschland Impfbereitschaft von Krankenhauspersonal in Deutschland: Welche Rolle spielen Verschwörungs- annahmen zu COVID-19? Hintergrund Verschwörungsannahmen sowie dem COVID-19 für sie nicht gesundheits- Vertrauen in öffentliche Institutionen gefährdend sei [2]. Impfwillige waren Um die COVID-19-Pandemie bewäl- und Informationen. tendenziell männlich und älter, wäh- tigen zu können, muss eine flächen- Nach der Theorie der Schutzmoti- rend jüngere und weibliche Befragte deckende Immunität der Bevölkerung vation (Protection Motivation Theory, sich impfunsicher zeigten [2, 7]. Weitere („Herdenimmunität“), beispielsweise PMT) sind Personen besonders dann Studien verwiesen auf den Zusammen- durch Impfungen, erreicht werden [1, zu Schutzmaßnahmen wie dem Impfen hang einer höheren Impfbereitschaftmit 2]. Dennoch wollen sich eine relevante bereit, wenn sie überzeugt sind, dass einem höheren Bildungsabschluss, der Anzahl von Personen nicht impfen las- sich nicht impfen zu lassen mit ne- Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe sen und äußern teilweise ihre Ablehnung gativen Konsequenzen oder Gefahren für einen schweren COVID-19-Verlauf auch in öffentlichen Protesten [3]. Zur einhergeht, die durch das Impfen redu- sowie Infektionen bei sich selbst oder Steigerung der Impfbereitschaft ist es ziert werden [5]. Die Impfintention wird nahestehenden Angehörigen [8, 9]. daher notwendig, die generelle Entwick- dabei beeinflusst vom eigenen Wissen Insbesondere die Impfbereitschaft lung der Impfbereitschaft sowie Gründe über Impfungen und Risiken sowie der des medizinischen Personals spielt ei- der Ablehnung zu verstehen [1, 2, 4]. Einschätzung der Bedrohung durch das ne Schlüsselrolle für die Bewältigung Eine europäische Befragung zeigte, dass Virus, der empfundenen Impf- und der der COVID-19-Pandemie: Nicht nur in Deutschland und Frankreich anteilig Selbstwirksamkeit [5, 6]. In einer Studie gewährleisten sie die medizinische Ver- die meisten Impfverweiger*innen zu begründeten Personen ihre Unsicherheit sorgung während der Pandemie und verzeichnen sind [2]. Eine positive Ein- gegenüber der Impfung mit der Sorge stehen damit unter einem besonderen stellung zum Impfen war assoziiert mit über mögliche Nebenwirkungen, Sicher- Infektionsrisiko, sie sind zudem erste bestimmten soziodemografischenFakto- heit und Effektivität der Impfstoffe [2]. Ansprechpartner*innen für viele Bür- ren, dem Wissen über die Impfung und 11% waren zudem der Ansicht, dass ger*innen, die Informationen über die 1178 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 Impfungen einholen wollen [10]. Be- ca-Impfstoffes [19]. Die Impfbereitschaft stattdessen an Desinformationen ge- züglich der Impfbereitschaft des medi- wurde ebenfalls negativ beeinflusst durch glaubt wird. Vorangegangene Studien zinischen Personals lassen sich ähnliche die Verbreitung von Desinformationen zeigten, dass COVID-19-bezogene Ver- Ergebnisse wie in der Gesamtbevölke- [12], die zum Teil auf Verschwörungs- schwörungsannahmen unter anderem rung beobachten, die Impfbereitschaft annahmen zurückgehen [1]. Verschwö- den Standpunkt vertreten, dass die Trag- innerhalb dieser Gruppe ist jedoch ins- rungsannahmen verbreiten sich vor al- weite der Pandemie und die Gefahr gesamt höher. Im Vergleich zum ärzt- lem in Krisensituationen [20, 21] und von SARS-CoV-2 weitaus geringer sei- lichen Personal ist das nichtärztliche beziehen sich auf den Glauben, dass ei- en als in der Öffentlichkeit dargestellt Krankenhauspersonal zurückhaltender ne Gruppe mächtiger Akteur*innen mit und sich einige wenige Personen an gegenüber der Impfung [11–13]. Ei- böswilligen Absichten hinter aktuellen der Krise bereichern würden [1, 25]. ne erhöhte Impfbereitschaft lag gemäß und/oder historischen Ereignissen steht In einer aktuellen Bevölkerungsstudie der Theorie der Schutzmotivation vor, [22]. Vor allem Personen, die sich hilflos teilten beispielsweise 7% der Befragten wenn der soziale Vorteil des Impfens als fühlen, glauben an derartige Theorien in Verschwörungsannahmen wie, „[die] hoch und die Aktionskosten des Impfens demVersuch, eine komplexe, unkontrol- Corona-Krise wurde so groß geredet, (wie beispielsweise Aufwand und Risi- lierbare Krisensituation nachvollziehen damit einige wenige von ihr profitieren“ ken) als gering eingeschätzt wurden [14, zu können [22]. bzw. „[die] tatsächlichen Hintergrün- 15]. Umgekehrt waren hohe Aktions- DieCOVID-19-Pandemie ist insofern de der Corona-Erkrankung werden nie kosten im Vergleich zum gewonnenen eine Krisensituation, da sie neuartige, ans Licht der Öffentlichkeit kommen“ Schutz durch die Impfung negativ mit unkontrollierbare Herausforderungen (35,8%; [1]). Menschen, die solchen der Impfbereitschaft assoziiert [14, 16]. an das öffentliche Gesundheitssystem Aussagen zustimmten, wiesen auch eine Diese Ergebnisse werden durch Studien stellte und zum Teil kontroverse politi- geringere Impfbereitschaft auf [1]. unterstützt, die einen Zusammenhang sche Entscheidungen zu Eindämmungs- Aufgrund ihrer medizinischen Sach- zwischen fehlender Impfbereitschaftund maßnahmen nach sich zog, welche in kenntnis und der Konfrontation mit der Sorge über mögliche Nebenwirkun- individuelle Grundfreiheiten eingriffen schweren und tödlichen COVID-19- gen, wie beispielweise Allergien, aufwie- (wie beispielsweise Abstandsgebote und Verläufen ist anzunehmen, dass Be- sen [17]. Eine während der deutschen Einschränkungen der Versammlungs- schäftigte im Gesundheitssystem weni- COVID-19-Impfkampagne im Früh- freiheit). Dies traf auf eine zunehmend ger empfänglich für Verschwörungsan- jahr 2021 besonders publik gewordene verbreitete Bewegung, welche Mede nahmen sind als medizinische Laien. Nebenwirkung ist die Hirnvenenthrom- und Schäfer (2020) als Wissenschafts- Umso wichtiger ist es zu prüfen, wel- bose, die laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) populismus bezeichnen [23]. Laut dem che Faktoren die Impfbereitschaft unter im Zusammenhang mit dem Vekto- Wissenschaftspopulismus gibt es einen medizinischemPersonal beeinträchtigen rimpfstoff Vaxzevria (ehemals COVID- fundamentalen Konflikt zwischen „nor- und ob dies ähnliche Faktoren wie in der 19 Vaccine AstraZeneca1) vor allem bei malen“ Bürger*innen, die ihre Entschei- Bevölkerung sind bzw. welche Rolle die jüngeren Frauen auftrat [18]. Daherwur- dungen auf Basis von vermeintlichem Kommunikation innerhalb der Kliniken den Impfungen mit diesem Impfstoff in Konsens und alltäglichen Erfahrungen als institutioneller Faktor spielt. Deutschland am 14.03.2021 zunächst si- treffen, und der unmoralischen akade- Die vorliegende Arbeit untersucht cherheitshalber ausgesetzt und ab April mischen Elite, welche „unbrauchbares den Zusammenhang der Impfbereit- 2021 – nach ausgiebiger Prüfung durch und unauthentisches wissenschaftliches schaft von Krankenhauspersonal mit die Europäische Arzneimittel-Agentur Wissen“ [18] verbreiten und sich mit an- soziodemografischen und beruflichen (EMA) und die Ständige Impfkom- deren Mitgliedern der Elite verbünden Faktoren, dem Glauben an Verschwö- mission (STIKO) – eingeschränkt für [24]. Umstritten in diesem Konflikt ist rungsannahmen, Überzeugungen von Menschen über 60 Jahre wieder emp- zudem die Macht darüber, entscheiden Sicherheit und Wirksamkeit der Imp- fohlen. Eine AstraZeneca-Impfung von zu können, was als „wahres“ Wissen fung sowie dem Vertrauen in die Kom- Personen auch unterhalb dieser Alters- angesehen wird, da die akademischen munikation innerhalb der Klinik. Dafür grenze bleibt nach ärztlicher Aufklärung Eliten angeblich lediglich ideologieba- stellen wir auf Basis der oben zitierten und bei individueller Risikoakzeptanz siertes Wissen produzieren und der Literatur folgende Hypothesen auf: möglich [18]. Bevölkerung viele Fakten vorenthalten 1. Impfbereite Menschen sind häufiger Diese Entwicklungen hatten jedoch [23, 24]. männlich und älter. Ärztliches Per- einen negativen Einfluss auf die Impf- Das entstehende Gefühl, die Kontrol- sonal hat im Vergleich zu anderem bereitschaft: Teilweise fühlten sich Per- le über eine Situation zu verlieren, ist Krankenhauspersonal die höchste sonen verunsichert und misstrauten den erwiesenermaßen mit dem Glauben an Impfbereitschaft. Empfehlungen bezüglich desAstraZene- Verschwörungstheorien assoziiert [22, 2. Je wirksamer und sicherer ein Impf- 23]. Dies kann im Kontext der COVID- stoff wahrgenommen wird, desto 1 Da Vaxzevria in der Bevölkerung vor allem 19-Pandemie beispielsweise dazu führen, höher ist die Impfbereitschaft. unter dem Namen „AstraZeneca“ bekannt ist, dass Wissenschaftler*innen als Konspi- 3. Die Impfbereitschaft ist negativ mit wurdedieser imFolgendenweiterverwendet. rateur*innen angesehen werden und Verschwörungsglauben assoziiert. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 1179 Zusammenfassung · Abstract Bundesgesundheitsbl 2022 · 65:1178–1187 https://doi.org/10.1007/s00103-022-03593-0 © Der/die Autor(en) 2022 J. Petersen · L. M. Mülder · P. Kegel · N. Röthke · H. F. Wiegand · K. Lieb · H. Walter · A.-L. Bröcker · S. Liebe · O. Tüscher · A. Pfennig · B. Maicher · S. Hellwig · F. Padberg · K. Adorjan · S. Unterecker · P. Wessels · D.-M. Rose · M. E. Beutel Impfbereitschaft von Krankenhauspersonal in Deutschland: Welche Rolle spielen Verschwörungsannahmen zu COVID-19? Zusammenfassung Hintergrund. Zur Erreichung einer flächen- Methoden. Im Rahmendes vomBundesminis- Impfbereitschaft. Prädiktoren für eine höhere deckenden Immunität gegen COVID-19 in terium für Bildung und Forschung geförderten Impfbereitschaft waren die empfundene der Bevölkerung ist entscheidend, wie sich egePan-Verbundprojekts des nationalen Sicherheit und Effektivität von Impfungen die Impfbereitschaft bislang Ungeimpfter Netzwerkes Universitätsmedizin wurden sowie ein höheres Alter. entwickelt. Schlüsselrolle dabei spielt das zwischen Januar und Juni 2021 in einer Diskussion. Da sich empfundene Sicherheit medizinische Personal, welches die Gesund- freiwilligen, anonymen Onlinebefragung die und Effektivität von Impfungen positiv auf heitsversorgung während der Pandemie Impfbereitschaft, individuelle Sozialmerkmale, die Impfbereitschaft auswirkten, könnten gewährleistet und vielen Menschen als Zustimmung zu Verschwörungsannahmen eine dahingehende Aufklärungsarbeit und Informationsquelle zu Impfungen dient. Die und Fragen zur Kommunikation in deutschen transparente Informationsvermittlung der allgemeine Impfbereitschaft wird u. a. negativ Kliniken erhoben. Verbreitung von Verschwörungsannahmen beeinflusst durch Verschwörungsannahmen Ergebnisse. Insbesondere Ärzt*innen und entgegenwirken und die Impfraten unter und die Verbreitung von Desinformationen. wissenschaftliches Personal gaben eine Krankenhauspersonal erhöhen. Ziele. Es wurden Impfbereitschaft und ver- erhöhte Impfbereitschaft im Vergleich zur schiedene Einflussgrößen bei Klinikpersonal in Gesamtbevölkerung an. Verschwörungs- Schlüsselwörter Deutschland untersucht, umHinweise auf eine annahmen waren kaum verbreitet, am COVID-19-Impfung · Gesundheitspersonal · mögliche Steigerung der Impfbereitschaft zu häufigsten jedoch unter dem Verwaltungs- Prädiktoren · Verschwörungsannahmen · erlangen. und Pflegepersonal. Verschwörungsan- Kommunikation nahmen waren negativ assoziiert mit der Willingness to get vaccinated among hospital staff in Germany: What is the role of COVID-19 conspiracy assumptions? Abstract Background. A critical factor in achieving Methods. Between January and June 2021, associated with the willingness to get widespread immunity against COVID-19 is a voluntary and anonymous online survey vaccinated. Predictors for a higher willingness the willingness of previously unvaccinated conducted as part of the egePan joint to get vaccinatedwere the perceived safety individuals to get vaccinated. Medical project of the national network for university and effectiveness of vaccinations and a higher staff play a key role in this, as they ensure medicine (funded by the Federal Ministry of age. healthcare during the pandemic and for Education and Research) was used to assess Discussion. Since the perceived safety and many serve as a source of information the willingness to be vaccinated, individual effectiveness of vaccinations have a positive about vaccinations. Among the factors that social characteristics, the belief in conspiracy effect on the willingness to get vaccinated, negatively influence the general willingness assumptions, and communication items in educational work and transparent information to get vaccinated are conspiracy assumptions German hospitals. transfer could counteract the spread of and the spread of misinformation. Results. In comparison with the general conspiracy assumptions and increase Objective. The willingness of hospital staff population, physicians and scientific staff in vaccination rates among hospital staff. in Germany to get vaccinated and various particular indicated an increased willingness influencing variableswere examined to obtain to get vaccinated. Conspiracy assumptions Keywords indicators that could help increase the general were not very widespread but most frequent COVID-19 vaccination · Healthcare work- willingness to get vaccinated. among administrative and nursing staff. ers · Predictors · Conspiracy theories · Conspiracy assumptions were negatively Communication 4. Eine gute Kommunikation innerhalb Methoden evidenzgeleitetes Pandemiemanagement der Kliniken steigert das Vertrauen, koordiniert durch die Universitätsmedi- was wiederum mit einer hohen Studiendesign zin) des nationalen Netzwerkes Univer- Impfbereitschaft einhergeht. sitätsmedizin (NUM) wurde zwischen 5. Der Zeitpunkt der Befragung spielt Im Rahmen des vom Bundesministeri- Januar und Juni 2021 eine Online- eine Rolle: Wir gehen davon aus, um für Bildung und Forschung (BMBF) befragung von Mitarbeiter*innen im dass die Impfbereitschaft nach dem geförderten egePan-Verbundprojekts Gesundheitswesen durchgeführt. Hier- sicherheitsbedingten Aussetzen der (Entwicklung, Testung und Implemen- für wurden die egePan-Netzwerkpart- Impfungen mit dem AstraZeneca- tierung von regional adaptiven Versor- ner*innen darum gebeten, die Studie in Impfstoff gesunken ist. gungsstrukturen und Prozessen für ein ihrer Klinik bekannt zu machen und 1180 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 den Link zur Umfrage zu versenden. Die das Virus gefährlich ist“, wurde ebenfalls net. Zusätzlich wurden für alle Faktoren Befragung erfolgte auf freiwilliger Ba- mittels einer 7-stufigen Likert-Skala er- noch die Effektstärken Cohens d [28] sis und anonym. Es nahmen insgesamt hoben (von 1= stimme überhaupt nicht und Eta-Quadrat (η2) kalkuliert. Dar- 2011 Krankenhausmitarbeiter*innen an zu; 7= stimme voll und ganz zu; [27]). Er- aufhin wurden Assoziationen zwischen der Umfrage teil. Der Missing-Com- gänzt wurde dies mit der Aussage: „Die Items mittels Korrelationen (Spearman pletely-At-Random-(MCAR-)Test [26] Corona-Krise wurde so groß geredet, Rangkorrelationskoeffizient rho) über- zeigte, dass die fehlenden Werte für damit einige wenige von ihr profitieren“ prüft. die Impfbereitschafts-, Verschwörungs- ([1, 25]; gleiche Skalierung). Die Items Als letzter Analyseschritt wurde ei- annahme- und Kommunikationsitems wurden für die Regressionsanalyse zu nemultiple lineare Regressionsgleichung vollkommen zufällig fehlten. Deswegen einem aggregierten Index zusammenge- mit dem Impfbereitschafts-Item als Out- wurde ein fallweiser Ausschluss (List- fasst (Cronbach’sches Alpha= 0,88). come-Variable und dem aggregierten wise Deletion) vorgenommen, welcher Die Kommunikation innerhalb der Verschwörungs- und dem aggregier- uns auf 1683 einbezogene Fälle brachte. Klinik wurde mit 6 Aussagen erho- ten Kommunikations-Index sowie den ben: „Ich fühle mich ausreichend über einzelnen Impfeinstellungs-Items, der Messinstrumente die Maßnahmen im Krankenhaus in- Zeitvariablen und den soziodemografi- formiert“, „Entscheidungsabläufe und schen Variablen als erklärende Variablen Die Impfbereitschaft des Krankenhaus- Informationen sind für mich transpa- durchgeführt. Zuvor wurde auf Nor- personals wurde erhoben auf Basis rent“, „Ich werde immer rechtzeitig über malverteilung, Multikollinearität und des an die COVID-19-Snapshot-Mo- Entwicklungen/Entscheidungen infor- Homoskedastizität getestet. Es wurde nitoring-(COSMO-)Studie angelehnten miert“, „Ich kann meine eigenen Erfah- dabei lediglich eine Heteroskedastizität Items [27]: „Wie würden Sie entscheiden, rungen und Ideen im Zusammenhang nachgewiesen, weshalb für die Regres- wenn Sie nächsteWoche dieMöglichkeit mit COVID-19 einbringen“, „Der In- sion die robusten Standardfehler ausge- hätten, sich mit [einem] Impfstoff gegen formationsfluss von Führungskräften zu geben wurden, um einem Fehler 2. Art das Coronavirus impfen zu lassen?“ Er- Mitarbeitenden funktioniert gut“ sowie entgegenzuwirken. Im Anschluss an gänzend wurde in dieser Studie nach der „Der Informationsfluss von Geschäfts- die Regressionsanalyse wurden zudem empfundenen Sicherheit der Impfung führung/Vorstand zu Mitarbeitenden die Koeffizienten zur Vergleichbarkeit („Ich habe vollstes Vertrauen, dass eine funktioniert gut“. Auch hier wurde ei- standardisiert. Impfung gegen COVID-19 sicher ist“) ne 7-stufige Likert-Skala (1= stimme sowie der empfundenen Effektivität der überhaupt nicht zu; 7= stimme voll und Ergebnisse Impfung („Ich bin davon überzeugt, dass ganz zu) verwendet. Die Items wurden die Impfung gegen COVID-19 effektiv für die Regressionsanalyse zu einem Stichprobe ist“) gefragt. Die Einschätzung erfolgte aggregierten Index zusammengefasst jeweils auf einer 7-stufigen Likert-Ska- (Cronbach’sches Alpha= 0,83). Die Stichprobe umfasste zu einem grö- la (1= stimme überhaupt nicht zu bzw. Zur Bestimmung des zeitlichen Ver- ßeren Anteil Frauen (78,7%). Erwar- auf gar keinen Fall; 7= stimme voll und laufs der Impfbereitschaft wurde der tungsgemäß waren über 60-Jährige un- ganz zu bzw. auf jeden Fall). Das erste Zeitraum vor und nach dem vorsorg- terrepräsentiert, da dieMehrzahl der Be- Item wurde in der Regressionsanalyse lichen Aussetzen der Impfungen mit rentungen Anfang bis Mitte 60 erfolgen als Outcome-Variable verwendet, die AstraZeneca für Personen unter 60 Jah- [29]. Bezüglich Alter und Geschlecht Sicherheits- und Effektivitäts-Items als ren in Deutschland (14.03.2021) un- unterscheidet sich die Stichprobe je- erklärende Variablen gemäß derTheorie terschieden [1, 18]. Hierfür wurde die doch nicht vom Personal stationärer der Schutzmotivation als Faktoren der Stichprobe in 2 annähernd gleich große und teilstationärer Einrichtungen in Selbstwirksamkeit- und Handlungser- Teile geteilt. Deutschland nach Stand 2019 [30], wo- gebniserwartung. mit die Stichprobe als demografisch DieFragenzumGlauben anVerschwö- Datenanalyse vergleichbar angesehen werden kann. rungsannahmen wurden unter anderem Die Untersuchungspopulation umfasste als Faktoren der Bedrohungseinschät- Mithilfe der Statistiksoftware R (Version Pflege- (32,8%), Verwaltungs- (24,2%) zung ebenfalls dem Fragebogen der 1.3.1056) wurde zunächst die Deskrip- und medizinisch-technisches Personal COSMO-Studie entnommen. Die Zu- tivstatistik für die relevanten Variablen (19,0%), Ärzt*innen (13,4%) sowie wis- stimmung zu den Items: „Das Virus wird berechnet. Hierbei wurden zudem die senschaftliches Personal (10,6%). 63,0% absichtlich als gefährlich dargestellt, um Mittelwerte (M) und Standardabwei- der Befragten gaben an, Kontakt zu die Öffentlichkeit in die Irre zu führen“, chungen (SD) für die Impfeinstellungs-, COVID-19-Patient*innen zu haben oder „Expert*innen täuschen uns absichtlich Verschwörungs-, und Kommunikations- gehabt zu haben. 6,9%hatten zumBefra- und zu ihrem eigenen Vorteil, obwohl Items berechnet sowieMittelwertverglei- gungszeitpunkt selbst eine SARS-CoV- das Virus eigentlich nicht schlimmer ist che durchgeführt. Die Signifikanz (p) der 2-Infektion durchgemacht. Insgesamt als eineGrippe“, und „Man sollte den Ex- Unterschiede wurde dabei mittels t-Tests war die Gesamtstichprobe durch eine pert*innen glauben, wenn sie sagen, dass und Varianzanalyse (ANOVA) berech- relativ hohe Impfbereitschaft geprägt Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 1181 Originalien und Übersichten 1182 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 Tab. 1 Soziodemografische undberufsbezogene Angaben der Gesamtstichprobe sowieMittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) für die Aussagen zu Impfbereitschaft, Effektivität und Sicherheit der Impfung undVerschwörungs-Items Anteil Impfbereitschaft Sicherheit Effektivität Als gefährlicher Expert*innen täu- Expert*innen Corona-Profit n (%) M (SD) M (SD) M (SD) dargestellt schen glauben M (SD) M (SD) M (SD) M (SD) Gesamtstichprobe (N= 1683) – 6,29 (1,59) 5,60 (1,58) 5,44 (1,69) 1,68 (1,36) 1,57 (1,27) 2,05 (1,61) 2,00 (1,55) Geschlecht – dCohen= 0,208 dCohen= 0,210 dCohen= 0,250 dCohen= –0,124 dCohen= –0,142 dCohen= –0,037 dCohen= –0,187 Weiblich 1324 (78,7%) 6,22 (1,67)*** 5,53 (1,62)*** 5,35 (1,72)*** 1,72 (1,40)*** 1,61 (1,31)*** 2,06 (1,62)*** 2,06 (1,58)*** Männlich 359 (21,3%) 6,55 (1,23)*** 5,86 (1,37)*** 5,77 (1,51)*** 1,55 (1,23)*** 1,43 (1,09)*** 2,00 (1,56)*** 1,77 (1,42)*** Altersgruppen (Jahre) – η2 = 0,009 η2 = 0,002 η2 = 0,002 η2 = 0,003 η2 = 0,002 η2 = 0,000 η2 = 0,000 18–30 309 (18,4%) 6,06 (1,77)*a,b 5,49 (1,65) 5,33 (1,77) 1,84 (1,48) 1,72 (1,42) 2,06 (1,52) 2,04 (1,53) 31–40 452 (26,9%) 6,20 (1,75) 5,58 (1,54) 5,38 (1,68) 1,72 (1,35) 1,58 (1,22) 2,07 (1,54) 1,99 (1,51) 41–50 381 (22,6%) 6,33 (1,51) 5,67 (1,58) 5,53 (1,69) 1,61 (1,29) 1,50 (1,20) 2,09 (1,62) 2,01 (1,54) 51–60 429 (15,5%) 6,44 (1,41) 5,61 (1,60) 5,45 (1,57) 1,61 (1,30) 1,53 (1,22) 2,02 (1,70) 1,97 (1,57) 61–70 112 (6,6%) 6,56 (1,24) 5,79 (1,37) 5,61 (1,51) 1,62 (1,55) 1,56 (1,41) 1,88 (1,72) 2,00 (1,80) Berufsgruppe – η2 = 0,005 η2 = 0,003 η2 = 0,002 η2 = 0,006 η2 = 0,005 η2 = 0,001 η2 = 0,008 Ärzt*innen 226 (13,4%) 6,81 (0,78)***cde 6,15 (1,13) 5,99 (1,22)***cde 1,32 (0,94)*c,***de 1,22 (0,80)*c,***de 1,72 (1,38) 1,40 (0,94)***cde *d,***e Pflegepersonal 552 (32,8%) 6,22 (1,65) 5,49 (1,65) 5,32 (1,76)*f 1,63 (1,29)*e 1,52 (1,19)*d,**e 2,05 (1,60) 1,97 (1,49)**e,*f Medizinisch-technischesPersonal 319 (19,0%) 6,26 (1,66) 5,52 (1,65) 5,34 (1,74) 1,86 (1,44)*f 1,77 (1,41)**f 2,16 (1,60)*f 2,24 (1,69)***f Verwaltung 407 (24,2%) 6,05 (1,85)*f 5,39 (1,64) 5,22 (1,76)*f 1,90 (1,59)*f 1,79 (1,47)***f 2,29 (1,81)***f 2,35 (1,80)***f WissenschaftlichesPersonal 179 (10,6%) 6,46 (1,34) 5,90 (1,35) 5,75 (1,53) 1,51 (1,21) 1,32 (1,04) 1,69 (1,22) 1,60 (1,18) Kontakt zu COVID-19-Patient*innen – dCohen= –0,095 dCohen= –0,031 dCohen= –0,123 dCohen= 0,054 dCohen= 0,016 dCohen= 0,032 dCohen= 0,052 (N= 1114) Ja 702 (63,0%) 6,37 (1,53) 5,65 (1,60) 5,53 (1,69)* 1,62 (1,30) 1,55 (1,26) 2,01 (1,57) 1,95 (1,52) Nein 412 (37,0%) 6,22 (1,67) 5,60 (1,58) 5,32 (1,73)* 1,69 (1,32) 1,57 (1,22) 2,06 (1,59) 2,03 (1,54) Positiver COVID-19-Test (N= 1190) – dCohen= 0,261 dCohen= 0,112 dCohen= 0,061 dCohen= 0,016 dCohen= –0,018 dCohen= –0,178 dCohen= 0,073 Ja 82 (6,9%) 6,01 (1,76)* 5,54 (1,55) 5,44 (1,72) 1,60 (1,25) 1,54 (1,22) 2,20 (1,68) 1,84 (1,30) Nein 1108 (93,1%) 6,40 (1,47)* 5,71 (1,51) 5,54 (1,62) 1,62 (1,27) 1,52 (1,19) 1,93 (1,50) 1,95 (1,51) Chronische Erkrankung (N= 1677) – dCohen= 0,000 dCohen= 0,070 dCohen= 0,071 dCohen= –0,029 dCohen= –0,095 dCohen= –0,019 dCohen= –0,129 Ja 539 (32,1%) 6,29 (1,59) 5,53 (1,59) 5,36 (1,71) 1,71 (1,46) 1,65 (1,41) 2,07 (1,67) 2,13 (1,69)* Nein 1138 (67,9%) 6,29 (1,61) 5,64 (1,57) 5,48 (1,68) 1,67 (1,32) 1,53 (1,19) 2,04 (1,58) 1,93 (1,48)* „Als gefährlicher dargestellt“ = „Das Virus wird absichtlich als gefährlich dargestellt, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen“, „Expert*innen täuschen“= „Expert*innen täuschen uns absichtlich und zu ihrem ei- genen Vorteil, obwohl das Virus eigentlich nicht schlimmer ist als eine Grippe“, „Expert*innen glauben“= „Man sollte den Expert*innen glauben, wenn sie sagen, dass das Virus gefährlich ist“ (invertiert), „Corona- Profit“= „Die Corona-Krise wurde so groß geredet, damit einige wenige von ihr profitieren“ dCohen (Cohens d, 1988) und η2 (Eta-Quadrat) zur Ermittlung der Effektstärke aIm Vergleich zu 51- bis 60-Jährigen bIm Vergleich zu 61- bis 70-Jährigen cIm Vergleich zum Pflegepersonal dIm Vergleich zu medizinisch-technischem Personal eIm Vergleich zu Verwaltungspersonal fIm Vergleich zu wissenschaftlichem Personal Signifikanz des Unterschieds zwischen den Gruppen, ermittelt durch t-Test und ANOVA (analysis of variance bzw. Varianzanalyse): *** p< 0,001, ** p< 0,01, * p< 0,05 (M= 6,29, SD= 1,59). Die Mittelwerte anderenBerufsgruppen.Die höchste Zu- fektstärken aller Kommunikations-Items für Impfbereitschaft, Annahmen zu Ef- stimmung der Ärzt*innen und des wis- waren gering (η2 < 0,06). fektivität und Sicherheit der Impfung senschaftlichen Personals findet sich für sowie für die Verschwörungs-Items sind die invertierte Aussage: „Man sollte Ex- Zusammenhang von Impfbereit- in . Tab. 1 dargestellt. pert*innen glauben, wenn sie sagen, dass schaft, Verschwörungsannahmen das Virus gefährlich ist“ (Ärzt*innen: sowie Vertrauen in Information Einstellung zu Impfungen, M=1,72, SD= 1,38; wissenschaftliches und Kommunikation Verschwörungsannahmen und Personal:M= 1,69, SD= 1,22; η2=0,001). Kommunikation unter den Die größte Zustimmung erhielt die Aus- Die Ergebnisse zu den Aussagen zur einzelnen Berufsgruppen sage: „Die Corona-Krise wurde so groß Kommunikation werden in . Tab. 3 geredet, damit einige wenige von ihr dargestellt. Impfbereitschaft war signi- Die Impfbereitschaft war unter Ärzt*in- profitieren“, welche zudem die größte fikant mit der empfundenen Sicherheit nen mit einem Mittelwert von 6,81 Effektstärke unter den Verschwörungs- und Effektivität der Impfung korre- (SD= 0,78)amhöchstenundunterschied aussagen aufwies (η2 = 0,008). Auch die- liert (Sicherheit: rho= 0,613; Effektivität: sich signifikant von der Impfbereitschaft ser Aussage stimmten Ärzt*innen und rho= 0,566; p< 0,001). Die Kommuni- unter Pflegekräften, medizinisch-tech- das wissenschaftliche Personal am we- kations-Items hatten, ausgenommen der nischem Personal und Verwaltungs- nigsten, dasVerwaltungspersonal jedoch ausreichenden Informiertheit, eine sehr personal (p< 0,001, η2 = 0,005). Auch am meisten zu (Ärzt*innen: M= 1,40, schwache, jedoch signifikante positive zwischen den Geschlechtern war ein SD= 0,94; wissenschaftliches Personal: Assoziation mit Impfbereitschaft. Ähn- signifikanter Unterschied zu verzeich- M= 1,60, SD= 1,18; Verwaltungsper- liche Ergebnisse zeigten sich für die nen, jedoch ohne großen Effekt (Frauen: sonal: M= 2,35, SD= 1,80; Signifikanz empfundene Effektivität und Sicherheit. M= 6,22, SD= 1,67; Männer: M= 6,55, des Unterschiedes zwischen Ärzt*innen/ Alle Verschwörungs-Items wiesen eine SD= 1,23; p< 0,001, d= 0,208). Jüngere wissenschaftlichem und Verwaltungs- mittelgradige negative Assoziation mit waren tendenziell weniger impfbereit, personal: p< 0,001). der Impfbereitschaft auf. Der größte Zu- besonders im Vergleich zu den ältesten Die Kommunikation in der Klinik sammenhang mit der Impfbereitschaft Befragten (M= 6,06, SD= 1,77; p< 0,05; wurde durchweg als eher gut einge- war zu beobachten für die empfundene η2 = 0,009). Befragte, die sich bereits schätzt, lediglich die Aussage zur Mög- Möglichkeit, sich einbringen zu kön- mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, waren lichkeit des Einbringens gewann weni- nen (Sicherheit: rho= 0,114; Effektivität: signifikant weniger impfbereit als dieje- ger Zustimmung (M= 3,26, SD= 2,01, rho= 0,120; p< 0,001). Die invertier- nigen, die sich noch nicht infiziert hatten . Tab. 2). Signifikante Unterschiede zwi- te Aussage: „Man sollte Expert*innen (Infektion: M= 6,01, SD= 1,76; keine In- schen den Berufsgruppen finden sich glauben, wenn sie sagen, dass das Virus fektion: M= 6,40, SD= 1,47; p< 0,05, nur bezüglich der Transparenz der gefährlich ist“, wies die größte Asso- d= 0,261). Bezüglich der empfundenen Entscheidungsabläufe und des Infor- ziation zur Impfbereitschaft auf. Auch Sicherheit der Impfung gab es zwar mationsflusses von Führungskräften/ mit der empfundenen Sicherheit und ebenfalls einen Geschlechtsunterschied Vorstand zu den Mitarbeitenden. Die Effektivität sowie den Kommunikations- (Frauen: M= 5,53, SD= 1,62; Männer: Entscheidungsabläufe wurden vom wis- Items sind die Annahmen signifikant M= 5,86, SD= 1,37; p< 0,001, d= 0,210), senschaftlichen Personal am transparen- negativ korreliert. Bedeutsam erscheint jedoch keinerlei signifikante Unterschie- testen eingeschätzt (M= 5,18, SD= 1,63), hier vor allem das Gefühl, sich einbrin- de bezüglich des Alters oder der Berufs- sie unterschieden sich signifikant von gen zu können: Dieses wies zwar wie die gruppe. Signifikante Unterschiede traten den Ärzt*innen und den Pflegekräften, anderen Items nur eine sehr schwache hinsichtlich der empfundenen Effektivi- welche die geringsten Zustimmungs- Assoziation auf, jedoch die größte unter tätderImpfungauf:Ärzt*innenschätzten werte aufwiesen (Ärzt*innen: M= 4,62, den Kommunikations-Items. die Effektivität der Impfung signifikant SD= 1,99; Pflegekräfte: M= 4,67, SD= höher ein als die anderenBerufsgruppen, 1,84; p< 0,05; η2 = 0,013). Den Informa- Prädiktoren für Impfbereitschaft mit Ausnahme vom wissenschaftlichen tionsfluss von den Führungskräften zu Personal (M= 5,99, SD= 1,22; p< 0,001; den Mitarbeitenden schätzten die Pfle- Im nächsten Schritt wurde eine Regres- η2 = 0,002). Befragte, die Kontakt zu gekräfte am besten (M= 4,82, SD= 1,79), sionsanalyse mit der Impfbereitschaft COVID-19-Patient*innen hatten, beur- das Verwaltungspersonal am schlech- als Outcome-Variable berechnet, die teilten die Effektivität der Impfung besser testen ein (M= 4,46, SD= 1,86; p< 0,05; Ergebnisse sind in . Tab. 4 dargestellt. als diejenigen, die keinen Kontakt hat- η2 = 0,003). Das Verwaltungspersonal Die erklärte Varianz des Modells be- ten (Kontakt: M= 5,53, SD= 1,69; kein hingegen schätzte den Informationsfluss trägt R2adjusted = 0,562 (p< 0,001). Die Kontakt: M= 5,32, SD= 1,73; p< 0,05; vom Vorstand zu den Mitarbeitenden stärkste Assoziation haben die Ein- d= –0,123). am besten ein (M= 4,88, SD= 1,74), die stellungen zu den Impfstoffen, wobei Ärzt*innen und das wissenschaftliche Pflegekräfte am schlechtesten (M= 4,46, jedoch nur die empfundene Sicher- Personal stimmtenallenVerschwörungs- SD= 1,95; p< 0,05; η2 = 0,007). Die Ef- heit eine signifikante Assoziation auf- aussagen signifikant weniger zu als die weist (B= 0,431; b= 0,483; Standardfeh- Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 1183 Originalien und Übersichten Tab. 2 Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) der Antworten zuden Kommunikations-Itemsnach Berufsgruppen (N=1683) Ausreichende Transparente Rechtzeitiges Möglichkeit des Ein- Guter Informations- Guter Informations- Informiertheit Entschei- informieren über bringens eigener fluss von Führungs- fluss von Vorstand über Maßnah- dungsabläufe Entscheidungen Erfahrungen und kräften zuMitarbei- zu Mitarbeitenden men M (SD) M (SD) Ideen tenden M (SD) M (SD) M (SD) M (SD) Gesamtstich- 5,20 (1,41) 4,87 (1,76) 4,94 (1,71) 3,26 (2,01) 4,63 (1,85) 4,62 (1,86) probe (N= 1683) η2 = 0,001 η2 = 0,013 η2 = 0,003 η2 = 0,001 η2 = 0,003 η2 = 0,007 Berufsgruppen Ärzt*innen 5,14 (1,54) 4,62 (1,99)*a,b 4,68 (2,00) 3,55 (1,93) 4,62 (2,01) 4,46 (2,03) Pflegepersonal 5,20 (1,49) 4,67 (1,84)*a,b 4,90 (1,82) 3,26 (2,05) 4,82 (1,79)*a 4,46 (1,95)*a Medizinisch-tech- 5,17 (1,29) 4,98 (1,64) 5,01 (1,56) 3,12 (1,98) 4,58 (1,76) 4,60 (1,73) nisches Personal Verwaltung 5,16 (1,34) 5,06 (1,64) 5,05 (1,56) 3,25 (2,02) 4,46 (1,86) 4,88 (1,74) Wissenschaft- 5,38 (1,33) 5,18 (1,63) 5,01 (1,56) 3,21 (1,99) 4,55 (1,90) 4,78 (1,79) liches Personal η2 (Eta-Quadrat) zur Ermittlung der Effektstärke aSignifikanter Mittelwertunterschied gegenüber Verwaltung bSignifikanter Mittelwertunterschied gegenüber dem wissenschaftlichen Personal Signifikanz des Unterschieds zwischen den Gruppen, ermittelt durch t-Test und ANOVA: *** p< 0,001, ** p< 0,01, * p< 0,05 Tab. 3 Spearman Rangkorrelationskoeffizienten rho für COVID-19-spezifische Angaben der Gesamtstichprobe (N=1683) Impfbereit- Sicher- Effekti- Als gefährli- Expert*innen Expert*innen Corona- schaft heit vität cher darge- täuschen glauben Profit stellt Impfbereitschaft 1 – – –0,385*** –0,393*** –0,443*** –0,417*** Glaube an Sicherheit COVID-19-Impfung 0,613*** 1 – –0,395*** –0,416*** –0,448*** –0,431*** Effektivität COVID-19-Impfung 0,566*** 0,566*** 1 –0,411*** –0,433*** –0,428*** –0,414*** Einschätzung der Kommunikation Ausreichende Informiertheit über Maß- 0,035 0,019 0,024 –0,036 –0,053* –0,028 –0,012 nahmen Transparente Entscheidungsabläufe 0,092*** 0,076** 0,071** –0,033 –0,034 –0,070** –0,059* Rechtzeitiges Informieren über Entschei- 0,076** 0,075** 0,069** –0,014 –0,038 –0,053* –0,048* dungen Möglichkeit des Einbringens eigener 0,103*** 0,114*** 0,120*** –0,098*** –0,093*** –0,120*** –0,097*** Erfahrungen und Ideen Guter Informationsfluss von Führungs- 0,084*** 0,081*** 0,071** –0,054* –0,056* –0,069** –0,070** kräften zu Mitarbeitenden Guter Informationsfluss von Vorstand zu 0,085*** 0,083*** 0,077** –0,046 –0,053* –0,093*** –0,056* Mitarbeitenden „Als gefährlicher dargestellt“ = „Das Virus wird absichtlich als gefährlich dargestellt, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen“, „Expert*innen täu- schen“= „Expert*innen täuschen uns absichtlich und zu ihrem eigenen Vorteil, obwohl das Virus eigentlich nicht schlimmer ist als eine Grippe“, „Expert*innen glauben“= „Man sollte den Expert*innen glauben, wenn sie sagen, dass das Virus gefährlich ist“ (invertiert), „Corona-Profit“= „Die Corona-Krise wurde so groß geredet, damit einige wenige von ihr profitieren“ *** p< 0,001, ** p< 0,01, * p< 0,05 ler= 0,037; p< 0,001). Schwache Zusam- zeigt sich ein negativer Zusammen- Diskussion menhänge sind für das Alter zu finden: hang (B= –0,301; b= –0,235; Standard- Verglichenmit denmittlerenAltersgrup- fehler= 0,036; p< 0,001). Geschlecht, Die Impfbereitschaft des Krankenhaus- pen berichteten die 31- bis 40-Jährigen Berufsgruppe, Kommunikation, Zeit- personals war in dieser Studie im Ver- und die beiden ältestenAltersgruppen ab punkt der Befragung sowie Kontakt zu gleich zurGesamtbevölkerung sehr hoch 51 Jahren eine höhere Impfbereitschaft. COVID-19-Patient*innen, vergangene [31]. Sie variierte zwischen den Berufs- Der letzte Faktor, der eine signifikante SARS-CoV-2-Infektion und chronische gruppen und war unter den Ärzt*innen Assoziation mit der Impfbereitschaft Erkrankung der befragten Personwiesen mit M= 6,81 (SD= 0,78) am höchsten hatte, ist der Verschwörungsglaube. Hier keine signifikanten Assoziationen auf. und unter dem Verwaltungspersonal am 1184 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 Tab. 4 Ergebnisse der Regressionsanalysemit COVID-19-Impfbereitschaft als abhängige Variable Unabhängige Variablen R2= 0,571; Radjusted= 0,562; F(18,847)= 62,701,p<0,001 Unstandardisierte Std.-Fehler Standardisierte p 95%KI: unterer 95%KI: oberer Koeffizienten Koeffizienten Wert Wert Konstante 3,554 0,265 – 0,000 2,771 4,336 Geschlecht (männlich= Ref.) Weiblich –0,078 0,110 –0,022 0,451 –0,280 0,125 Altersgruppe (Jahre; 18–30= Ref.) 31–40 0,293 0,105 0,089 0,008 0,077 0,509 41–50 0,129 0,109 0,037 0,259 –0,095 0,354 51–60 0,327 0,109 0,097 0,005 0,101 0,553 61–70 0,428 0,170 0,065 0,010 0,101 0,755 Berufsgruppe (Ärzt*innen= Ref.) Pflegepersonal –0,093 0,092 –0,031 0,261 –0,256 0,069 Medizinisch-technischesPersonal 0,030 0,113 0,008 0,794 –0,194 0,253 Verwaltung 0,020 0,143 0,004 0,910 –0,325 0,365 Wissenschaftliches Personal 0,073 0,191 0,010 0,708 –0,311 0,458 Kontakt zu COVID-19-Patient*innen (Ja) 0,023 0,122 0,007 0,791 –0,147 0,193 Positiver COVID-19-Test (Ja) –0,201 0,074 –0,037 0,080 –0,426 0,024 Chronische Erkrankung (Ja) 0,072 0,037 0,022 0,356 –0,081 0,225 Einstellungen zur Impfung Sicherheit COVID-19-Impfung 0,431 0,037 0,483 0,000 0,313 0,549 Effektivität COVID-19-Impfung 0,112 0,040 0,117 0,069 –0,009 0,233 Verschwörung –0,301 0,036 –0,235 0,000 –0,406 –0,195 Kommunikation 0,039 0,026 0,034 0,185 –0,018 0,096 Zeitvariable (nach Aussetzen) –0,108 0,140 –0,036 0,382 –0,350 0,134 Zeitvariable*Geschlecht 0,165 0,160 0,047 0,273 –0,131 0,461 Stichprobe N= 1683. Abhängige Variable ist die Impfbereitschaft, codiert von 1–7. Die Zeitvariable ist codiert in 0= vor Aussetzung des Impfens mit Vektor- impfstoffen für Personen unter 60, 1= nach Aussetzung R2adjusted adjustiertes R2 des Modells, P-Wert Signifikanz des Modells bzw. des Koeffizienten, KI Konfidenzintervall geringsten (M= 6,05, SD= 1,85), was Bestätigt wurde dies während der Be- zeigte sich entgegen vorhergegangener Ergebnisse aus früheren Studien bestä- fragung dadurch, dass Ärzt*innen der Forschungsergebnisse, dass weder Ge- tigt [12]. Dies könnte damit zusam- invertierten Aussage, in der es darum schlecht noch Berufsgruppe eine signi- menhängen, dass Personen mit einem geht, denExpert*innenzuglauben,wenn fikante Assoziation mit Impfbereitschaft höheren Bildungsabschluss die Effizienz sie sagen, dass das Virus gefährlich ist, aufwies, was die erste Hypothese dieser und die Sicherheit der Impfung hö- am ehesten zustimmten. Dies könnte Arbeit zum Teil widerlegt [2, 7, 11]. her einschätzen, was wiederum positiv daran liegen, dass Ärzt*innen sich selbst Die positiven Einschätzungen der mit einer hohen Impfbereitschaft asso- als Expert*innengruppen angesprochen Wirksamkeit und Sicherheit der Imp- ziiert ist [32]. Insgesamt stimmte das fühlen und selbstverständlich ihrer ei- fung wiesen eine signifikante positive Krankenhauspersonal den Verschwö- genen Expertise vertrauen. Assoziation mit Impfbereitschaft auf. rungsannahmen wenig zu. Unter den In der Regressionsanalyse der Ge- Dies unterstreicht die in der Theo- Berufsgruppen stimmte das Verwal- samtstichprobe unter Berücksichtigung rie der Schutzmotivation betonte Rolle tungspersonal den Aussagen tendenziell der Einflussgrößen Verschwörungsglau- der Selbstwirksamkeit- und Handlungs- am ehesten zu, während Ärzt*innen be, Geschlecht, Alter, Berufsgruppen, ergebniserwartung (s. oben; [5]) und und das wissenschaftliche Personal die empfundene Sicherheit und Effektivität spiegelt die Ergebnisse vorangegange- kleinsten Zustimmungswerte aufwie- der Impfung, Kommunikation und Ver- ner Studien wider, in denen vor allem sen. Ergebnisse früherer Arbeiten lassen trauen in die Informationen innerhalb die Rolle der Aktionskosten unterstri- vermuten, dass der forschungsnahe Hin- der Klinik sowie Zeitpunkt der Befra- chen wurde [2, 5, 14–17]. Der zweite tergrundderÄrzt*innenunddeswissen- gung konnte eine signifikante positive wichtige Aspekt, die Bedrohungsein- schaftlichen Personals dazu führt, dass Assoziation des Alters auf die Impfbe- schätzung, wurde in der vorliegenden diese wissenschaftlichen Erkenntnissen reitschaft beobachtet werden. So waren Studie mittels der Verschwörungstheo- eher Vertrauen schenken bzw. weniger ältere Personen tendenziell eher dazu rien gemessen. Hier zeigte sich in den unter Kontrollverlust leiden [22, 33, 34]. bereit, sich impfen zu lassen. Jedoch vorangegangenen Deskriptivanalysen, Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 1185 Originalien und Übersichten dass vor allem die invertierte Aussage rungsannahmenmehr sensibilisiert wird rer nicht erfasster Faktor im Bereich der zum Glauben an die Einschätzungen der und lernt, fehlerhafte Argumentation zu Verschwörungsannahmenundder Impf- Expert*innen und die Aussage, dass aus identifizieren [40]. Dies könnte unter an- bereitschaft könnten extreme politische der Pandemie von einigenwenigenProfit derem inderSchule oder amArbeitsplatz Gesinnungen sein, die zu Verschwö- gezogen würde, negativ mit der Impf- im Rahmen eines Workshops zu Desin- rungsannahmen prädisponieren [3, 23]. bereitschaft assoziiert sind. Erwiesener- formationen oder einer politischen Auf- maßen sind Personen besonders anfällig klärungskampagne geschehen. Korrespondenzadresse für Verschwörungsannahmen, wenn das Eine gute Kommunikation innerhalb individuelle Risiko einer COVID-19-Er- der Kliniken und der Zeitpunkt der Be- Julia Petersen, M.A.Klinik und Poliklinik für PsychosomatischeMe- krankung zwar als gering, dafür aber das fragung (vor und nach dem Aussetzen dizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Risiko sozialer und seelischer Einbußen der Impfungen mit dem AstraZeneca- der Johannes Gutenberg-UniversitätMainz durch die politischen Maßnahmen zur Impfstoff) hatten in der Regressions- Untere Zahlbacher Straße 8, 55131 Mainz, Eindämmung der Pandemie als groß analyse keinen signifikanten Einfluss auf Deutschland angesehen wird [35]. Basierend auf den die Impfbereitschaft. Frühere Studien zu julia.petersen@unimedizin-mainz.de Ergebnissen anderer Studien [1, 24, 36] Grippeimpfungen zeigten aber, dass die könnte die Politikmehr auf Fehlinforma- Gefahrenkommunikation unter zöger- Förderung. EgePan Unimed (Entwicklung, Tes-tung und Implementierung von regional adaptiven tionen in sozialen Medien eingehen und lichen Menschen auch einen negativen Versorgungsstrukturen und Prozessen für ein evidenz- dieDiskussion um Impfungenmitgestal- Einfluss auf die Impfbereitschaft haben geleitetes Pandemiemanagement koordiniert durch die ten, damit zugleich das Vertrauen in die kann [37]. Dies sollte auch in Bezug auf Universitätsmedizin)wird im Rahmen des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) vom Bundesministerium Maßnahmen staatlicher Institutionen COVID-19 näher untersucht werden. für Bildung und Forschung (BMBF; Förderkenn- aufrechterhalten wird. zeichen: 01KX2021) gefördert und steht unter der HilfreichkönntenhierbeiErkenntnis- Gesamtprojektleitung von Prof. Dr. Jochen SchmittLimitationen und Dr. Michael von Wagner. se ausder Inokulationstheorie sein.Diese Theorie bedient sich einer Analogie zur Trotz der großen Stichprobe ist zu be- Funding. Open Access funding enabled and organi- medizinischen Inokulation, also der ar- achten, dass es sich bei der vorliegen- zed by Projekt DEAL. tifiziell induzierten Immunisierung, und den Studie um eine anonyme Onlinebe- erklärt dabei, wie bestehende Einstellun- fragung handelte und nicht auszuschlie- Einhaltung ethischer Richtlinien gen von Individuen gegenüber Verände- ßen ist, dass eher Personen mit Vertrau- rungsversuchen resistent gemacht wer- en in die Wissenschaft an der Studie Interessenkonflikt. J. Petersen, L.M.Mülder, P. Kegel, den können [38]. Ein besonderer Fokus teilnahmen und somit ein Self-Selection N. Röthke, H.F.Wiegand, K. Lieb, H.Walter, A.-L. Brö- wird hier auf Desinformationen unter Bias bestehen könnte. Es handelte sich cker, S. Liebe, O. Tüscher, A. Pfennig, B.Maicher, S. Hell- anderem durch Medien, Werbung und zudem um eine Querschnittsbefragung, wig, F. Padberg, K. Adorjan, S. Unterecker, P.Wessels,D.-M. Rose undM.E. Beutel geben an, dass kein Inter- Gruppendruckgelegt. FürdenAufbauei- weshalb ein Rückschluss auf die Kausa- essenkonflikt besteht. ner Resistenz gegenüber Desinformatio- lität der Prädiktoren auf die Impfbereit- nenwerdennachder Inokulationstheorie schaft nicht gegeben ist. Für das Zustan- Ein positives Votumder Ethikkommissionder Landes-ärztekammer Rheinland-Pfalz „PanMAG-Befragung“ folgende Mittel verwendet: Zunächst soll dekommen einer Impfung dürften au- (Pandemie-Management undarbeitsbezogeneGe- dem Individuum bewusstgemacht wer- ßerdem noch zahlreiche, nicht erfasste sundheit), Bearbeitungsnummer (2021-15572) sowie den, dass es vulnerabel ist gegenüber FaktoreneineRolle spielen,wie beispiels- der Ethikkommissionender beteiligtenUniversitätenfür diese Studie liegt vor. sogenannten persuasion attacks, sprich: weise der zeitliche und organisatorische Versuchen, das Individuum von seinen Aufwand der Impfung. Zudem wurden Open Access.Dieser Artikelwird unter der Creative eigenen Einstellungen abzubringen und lediglich die empfundene Wirksamkeit CommonsNamensnennung4.0 International Lizenzveröffentlicht, welche dieNutzung, Vervielfältigung, vonanderenzuüberzeugen.Danachwird und die Sicherheit der Impfung erfasst; Bearbeitung, VerbreitungundWiedergabe in jegli- das Individuum schwachen Gegenargu- weitere wesentliche Aspekte der Theo- chemMediumundFormat erlaubt, sofern Sie den/die menten zu dessen eigenen Einstellungen rie der Schutzmotivation wurden nicht ursprünglichenAutor(en)unddieQuelle ordnungsge-mäßnennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz ausgesetzt,umdiesedanndurchbereitge- erhoben. Es wurde außerdem nicht er- beifügenundangeben, obÄnderungen vorgenom- stellte Argumente für die Einstellung des fasst, ob die Befragten zumZeitpunkt der menwurden. Individuums zu widerlegen [39]. Damit Befragung bereits geimpft waren. Die in diesemArtikel enthaltenenBilder und sonstiges wird verhindert, dass sich der Verschwö- Das Thema Verschwörungsannah- Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten rungsglaube verfestigt, und Skepsis ge- men wurde zwar in der Öffentlichkeit Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbil- genüber Verschwörungsaussagen geför- diskutiert, jedoch fehlen bislang standar- dungslegendenichts anderes ergibt. Sofern das be-treffendeMaterial nicht unter der genanntenCreative dert [38]. Erste Studien belegten, dass disierte Verfahren für die Erfassung des Commons Lizenz steht unddie betreffendeHandlung diesesVerfahrendieAnfälligkeit fürVer- Glaubens an Verschwörungsannahmen. nicht nachgesetzlichenVorschriften erlaubt ist, ist für schwörungsaussagen reduziert [38]. In Wir nutzten Items zweier bewährter die oben aufgeführtenWeiterverwendungendesMa-terials die Einwilligungdes jeweiligen Rechteinhabers Bezug auf die COVID-19-Pandemie wä- Skalen aus der COSMO-Studie [27] einzuholen. re denkbar, dass die Bevölkerung ge- und einer Repräsentativbefragung [1], genüber der Verbreitung von Verschwö- die stark zusammenhängen. Ein weite- 1186 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11 · 2022 WeitereDetails zur Lizenz entnehmenSie bitte der 15. Vietri JT, Li M, Galvani AP, Chapman GB (2012) 32. Nohl A, Afflerbach C, Lurz C, Brune B, Ohmann T, Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/ Vaccinating to help ourselves and others. Med Weichert V et al (2021) Acceptance of COVID-19 licenses/by/4.0/deed.de. DecisMaking32(3):447–458 vaccination among front-line health careworkers: 16. 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