Die Dissertation untersucht evolutive Prozesse innerhalb der Vogelgattung Certhia (Baumläufer) und klärt taxonomische Unsicherheiten. Die ursprünglich sieben Arten der Gattung sind holarktisch verbreitet. Sie sind morphologisch einheitlich organisiert und damit schwer zu unterscheiden. Ich verfolgte vier methodische Ansätze: 1. Eine molekulare Phylogenie anhand des mitochondrialen Cytochrom-b-Gens klärte die meisten Verwandtschaftsbeziehungen und deckte zwei kryptische Arten auf. 2. Ruf- und Gesangsaufnahmen aller Arten und vieler Unterarten wurden sonagraphisch ausgewertet. Die im ersten Teil umrissenen neun Phylospecies ließen sich anhand der Zeit- und Frequenzparameter eindeutig gegeneinander abgrenzen. Sie verteilen sich auf eine monophyletische Gruppe von „Motivsängern“ und eine rein südostasiatische Gruppe von „Trillersängern“. Änderungen in Gesangsmerkmalen stimmten generell gut mit der molekularen Phylogenie überein (starke phylogenetische Signale). 3. Mitteleuropäische Waldbaumläufer reagierten im Freiland auf Vorspiel von Gesangsstrophen allopatrischer Taxa aus der Gruppe der Motivsänger territorial, allerdings meist schwächer als auf anschließendes Vorspiel formeigenen Gesangs. Gesangsmerkmale, die eine eindeutige Arterkennung bewirken, ließen sich nicht erarbeiten. 4. Standardkörpermaße von knapp 2000 Museumsbälgen charakterisieren die Arten und Unterarten biometrisch und zeigen geographische Trends auf. Schnabel- und Hinterkrallenlänge bestätigten sich als wichtige Parameter, die die Einnischung von Baumläufern erklären (Klettern und Nahrungserwerb an Baumstämmen). Im Himalaja (höchste Artendichte) sind auch Maße am Stützschwanz von Bedeutung.